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Analyse einer Duetta ADW

Duetta ADW und der Raum

In unserer HiFi-Selbstbaugruppe Köln/Bonn und Bergisches Land gibt es ein Mitglied mit einer Duetta ADW.

Da wir uns reihum treffen konnten wir uns schon davon überzeugen, dass die Duetta ADW bei ihm nicht so toll klang. Er hatte zwar schon eine leichte Modifikation von Udo W. empfohlen bekommen (am Saugkreis zum Mitteltöner), aber die hat das Grundproblem nach seiner Aussage auch nicht behoben. Aber lassen wir den stolzen Duetta Besitzer doch erst mal selbst zu Wort kommen:

 

 

 

 

2010 habe ich eine Rundreise zu mehreren Bausatzanbietern im Umfeld des Rheinlands gemacht und mich am Schluss für die Duetta ADW entschieden. Ohne die anderen Anbieter zu nennen, kann ich sagen, dass ich die für mich am ausgewogensten und am besten klingende Box ausgesucht hatte. Schwächen sind mir seinerzeit nicht aufgefallen und es gab ausreichend Gelegenheit die Boxen beim Entwickler Probe zu hören. Und dort klangen - und höchstwahrscheinlich klingen – sie wirklich gut. Speziell im Hochton begeisterte mich der Klang des ER4 mit hoher Auflösung ohne Schärfe.

Nach einigem Aufwand beim Aufbau war ich meinen neuen Boxen nicht zufrieden. Ein vor-Ort-Check beim Entwickler brachte zwei kleine aber bedeutsame Fehler beim mechanischen und elektrischen Aufbau zu Tage. Daneben wurde die Weiche im Saugkreis des Mitteltöners geringfügig entsprechend meinen Höreindrücken und einer Messung modifiziert.

Damit ging es dann schon deutlich besser, nach längerem Einspielen und Hören fiel mir aber auf, dass es nicht ganz so klang wie bei der Vorführung. Die unteren Tonlagen des von mir bevorzugten Gitarrenrocks (à Grundtonbereich) klangen eher dünn, der Bass rummste manchmal ein wenig unkonturiert vor sich hin. Zu dieser Zeit begann ich an meinen eigenen Hörfähigkeiten massiv zu zweifeln. Querchecks und der Besuch von (Selbstbau-) Messen bestätigten aber meinen Eindruck. Nun ist es nicht so, dass ich mich deswegen jeden Abend in den Schlaf geweint habe sondern ich habe weiter auch mit Freude Musik gehört. Die vorgenannten Querchecks bestätigten mir aber, dass es besser geht. Statt nun reflexartig Kabel und Kondensatorenqualitäten zu tauschen, habe ich mir eine Soundkarte, ein kalibriertes Mikro und ein einfaches Messprogramm (JustOct) besorgt. Erste einfache Messungen im Raum bestätigten meinen Höreindruck erneut.

Das war dann der Anlass, mit unserer Selbstbaugruppe einmal genauer hin zu schauen und vor allem einmal strukturiert durchzumessen, so wie es der Artikel zu dem Besuch bei mir zeigt.

An einem Freitag im Juni 2013 waren wir dann mit Messtechnik angerückt um das Problem zu verstehen, da der Besitzer die nicht ganz leichten und edel gefertigten Möbelstücke nicht 2 Stockwerke die Treppe runterschleppen wollte (zur Schonung des Rückens und der Boxen).

 

Subjektive Beurteilung:

Beim Hören von bekannten Stücken fiel den Anwesenden sofort auf, dass der Bass viel zu dick klang und nur aus ganz wenigen Tönen zu bestehen schien. Na ja, so etwas kommt in den meisten Hörraumen vor und nennt sich stehen Wellen oder Raummoden. Hier wurde das Problem jedoch dadurch verschärft, dass auch der gesamte Grundtonbereich "unterbelichtet" war, was man z.B. bei Klavieraufnahmen merken konnte wenn das Klavier mal in die unteren Lagen gehen sollte.

Eine etwas körperlose Räumlichkeit konnten wir recht schnell dadurch verbessern, indem die Lautsprecher auf den Hörer gerichtet wurden (vorher waren sie nur ca. 10° eingewinkelt).

Oberhalb des Grundtonbereichs schien alles soweit richtig zu sein, Musik die kaum Energie unten rum hatte (und den o.g. Problembereich damit ausspart) klang sehr natürlich.

 

Objektive Messungen:

Um zu verstehen ob es sich um ein reines Raumproblem handelt oder ob noch andere Ursachen mit hineinspielen wurde der Frequenzgang am Hörplatz in mehreren Zuständen gemessen:

 

  • Ausgangszustand (nur links, nur rechts, links + rechts)
  • Ausgangszustand mit verpolten Satelliten (links + rechts)
  • Ausgangszustand mit verstopften Bassreflexrohren (nur links, nur rechts, links + rechts)
  • Nur die Bassabteile
  • Nur die Satelliten
  • Nahfeldmessung vor dem Tieftöner
  • Nahfeldmessung vor dem Tief-/Mitteltöner
  • Nahfeldmessung vor dem Bassreflexrohr

Hinweis: die folgenden Messungen sind nicht kalibriert!


-> ab 400 Hz sehr ausgewogen, sehr flacher Verlauf
-> starke Überhöhung bei 50 Hz (vor allem rechte Box; ein Brummen des Verstärkers wurde ausgeschlossen)


-> flacher Abfall unterhalb von 400 Hz
-> starke Überhöhung bei 50 Hz (vor allem rechte Box; ein Brummen des Verstärkers wurde ausgeschlossen)


-> oberhalb von 150 Hz Abfall
-> starke Überhöhung bei 50 Hz (vor allem rechte Box; ein Brummen des Verstärkers wurde ausgeschlossen)


-> starke Auslöschung 80 - 300 Hz bei Verpolung der Bässe


-> Bässe bevorzugen einen Ton (65 Hz)
-> Bassreflexeinfluss nur unter 30 Hz
-> Weiche für Satelliten setzt früh ein (200 Hz) und wirkt unter 100 Hz nicht mehr richtig

Die Messungen sind natürlich im Bassbereich stark vom Raum geprägt. Der ist 6.57 lang (stehende Wellen bei n·171.5/6.57 = 26 Hz) und der Hörpatz liegt fast in der Mitte des Raumes. Dort kann also bei 26 Hz kaum Schalldruck aufgebaut werden ("Loch"), dafür dröhnt es dann gerne bei der doppelten Frequenz - da haben wir ja den Bösewicht bei 50 Hz !! Die starke Asymmetrie kommt durch den unsymmetrischen Raum:

Der "rechte" Bereich wird von einem Schreibtisch dominiert. Und so sieht es von dort aus gesehen aus:

Der Bereich um die Lautsprecher wurde schon etwas mit Basotect®behandelt, das bringt aber im Bassbereich nichts.

Interessanterweise erklären schon die Nahfeldmessungen das beobachtete Verhalten (Grundtonsenke, Bass besteht nur aus wenigen Tönen) recht gut.

 

Simulation:

Um zu sehen, ob hier die Weiche falsch zusammengebaut worden ist und wie die Überlagerung zwischen Satellit und Bässen funktioniert (und wie man das ggf. verbessern kann) wurde der Übergang zwischen Tieftöner und Tief-/Mitteltöner in Boxsim simuliert. Da wir keine akustischen Daten der Chassis haben wurde die Simulation einfach unter Verwendung der TSPs gemacht, denn im interessierenden Frequenzbereich bis 500 Hz kann man sicher davon ausgehen, dass sich alle beteiligten Chassis gemäß ihren TSPs verhalten. Das zweiteilige Gehäuse wurde der Einfachheit halber mit konstanter Breite der Frontplatte von 34.3 cm angenommen:

Es wurden die von ADW bestimmten TSPs angenommen, der Einfluss des Gehäuses (Vb = 90l, Fb = 20 Hz für den Tieftöner und Vb = 20 l für den Tief-/Mitteltöner) wurde simuliert und die elektrischen Ersatzkomponenten wurden so lange angepasst bis ich der von ADW gemessene Impedanzverlauf ergeben hat:

Wenn man den Bass mit der Weiche der Duetta ADW beschaltet

ergibt sich folgender Frequenzgang (gestrichelt der Frequenzgang ohne Weiche):


-> ohne Weiche kommt der Bassreflex-Effekt bei 20 Hz viel zu "früh" (Fb zu klein) um einen linearen Frequenzgang zu erzielen (Zmin = 5.5 Ohm bei 180 Hz)
-> mit Weiche ADW ergibt sich eine Überhöhung von fast 5 dB bei 68 Hz, um 25 Hz sinkt der Tiefbass um 1 dB (Zmin = 4.0 Ohm bei 72 Hz)

Hier funktionieren die Weichenbauteile wegen der Impedanzüberhöhung bei 40 Hz offenbar nicht so wie gedacht. Wenn man die Impedanz linearisiert (damit die Weiche einen gleichmäßigen Widerstand vorfindet) und die Bassreflex-Frequenz auf 28 Hz anhebt ergibt sich folgender Verlauf (gestrichelt wieder ohne Weiche):


-> durch die Impedanzentzerrung (27 mH, 390 uF, 6.8 Ohm) sinkt die Impedanz > 32 Hz nicht unter 6 Ohm
-> die Weiche von ADW hat von 100 bis 350 Hz nur eine Steilheit von 6 dB (Spule zu groß), erst ab 350 Hz sinkt der Pegel mit 12 dB/Oktave (Kondensator zu klein)
-> durch die höhere Bassreflexfrequenz von 28 Hz gewinnt der Tiefbass um 35 Hz um fast 3 dB

Und was macht der Tief-/Mitteltöner? Voilà:


-> die Filterwirkung setzt bereits bei 250 Hz ein (- 3dB)
-> bei der Resonanzfrequenz des Chassis im Gehäuse wirkt die Weiche aber nicht

Bafflestep:
Ein paar Worte zur Simulation in Boxsim. Hier wird nicht in unendlicher Schallwand simuliert sondern in völlig freier Aufstellung. Durch die endliche Schallwand wird der Schall ab einer gewissen Frequenz (die von der Größe der Schallwand abhängt) um das Gehäuse herum gebeugt und trägt daher "vorne" nicht mehr zum Schalldruck bei -> unterhalb der "gewissen Frequenz" sinkt der Schalldruck um bis zu 6 dB. Diese Phänomen nennt man "Bafflestep", weil es eine Stufe (= step) im Frequenzgang durch die Größe der Schallwand (= baffle) gibt.

Wenn man im Freifeld hören würde wäre der Bass dementsprechend zu leise. Da man aber nicht im Freifeld hört (wo die um das Gehäuse herumgebeugte Schallenergie für immer und ewig verpufft) sondern in einem geschlossenen Raum (wo der nach hinten gebeugte Schalldruck nicht verloren ist sondern durch die Begrenzungswände kurze Zeit später wieder reflektiert wird) ist der tatsächliche Pegelverlust durch die endliche Schallwand geringer. Als "Faustformel" gilt ein Abfall von nur etwa 3 dB durch den Bafflestep. Bei Boxsim solle man statt auf den Frequenz auf Achse eher auf den Energiefrequenzgang (= Summe aller abgestrahlter Energie) achten: ist dieser linear ist auch der Frequenzgang am Hörplatz in der Regel ausgewogen.

Der Tief-/Mitteltöner hat im mittleren Frequenzbereich einen Pegel von 90 dB, der Tieftöner erreicht diesen Wert ohne Weiche ebenfalls bei 300 Hz, unter 100 Hz wird jedoch selbst mit der Impedanzentzerrung und der höheren Bassreflexfrequenz "nur" 85 dB erreicht, also 5 dB weniger. Diese 5 dB hat der Tieftöner vorher bei einer Frequenz "gewonnen", das wäre dann nach der obigen "Faustformel" aber 3 dB zu laut gewesen. Letztlich hat dann aber der Hörraum das letzte Wort (s.u.)

Was passiert denn laut Simulation, wenn man Tieftöner und Tief-/Mitteltöner mit der ADW-Weiche kombiniert?


-> es gibt ein 3 dB tiefes Grundtonloch um 150 Hz
-> das Impedanzminimum sinkt auf 3.7 Ohm bei 70 Hz
-> Tiefbass ist Fehlanzeige (F3 bei 52 Hz)
-> bei Nicht-Verpolung des Tief-/Mitteltöners ist das Grundtonloch noch viel tiefer!!!

Bei der originalen Duetta gab es keinen Hochpass vor dem tief-/Mitteltöer. Dann ergibt sich folgender Frequenzgang:


-> das Grundtonloch um 150 Hz ist deutlich geringer
-> das Impedanzminimum sinkt auf 3.4 Ohm bei 20 und 72 Hz
-> zwischen 16 und 70 Hz löschen sich die Tieftonanteile teilweise aus
-> bei Nicht-Verpolung des Tief-/Mitteltöners ist das Grundtonloch noch viel tiefer (dafür addieren sich die Tieftonanteile)!!!

Die niedrige Gesamtimpedanz mag nicht jede Endstufe bei höheren Lautstärken. Viel gravierender ist jedoch, dass der Tief-/Mitteltöner jetzt nicht mehr vor tiefen Tönen geschützt ist. Damit wird der Gesamtschalldruck durch den Tief-/Mitteltöner limitiert (gestrichelte Linie = originale Weiche ohne Hochpassfilter für die Tief-/Mitteltöner):


-> um 100 Hz kann die originale Weiche ca. 4 dB weniger laut spielen
-> um 30 Hz kann die originale Weiche ca. 11 dB weniger laut spielen

Der Vorteil der höheren Belastbarkeit und höheren Impedanz wird bei der remasterten Duetta durch den Nachteil der Grundtonsenke erkauft.

Aber: geht das nicht auch anders? Nach ein paar Änderungen (12 dB/Hochpass für den Tief-/Mitteltöner und angepasster 12 dB/Tiefpass mit Impedanzentzerrung für den Tieftöner + höhere Bassreflexfrequenz) sieht es dann so aus:


-> der Energiefrequenzgang verläuft sehr linear
-> der Impedanzverlauf ist sehr linear (Zmin = 4.0 Ohm bei 25 Hz)
-> bis zu 6 dB mehr Tiefbass bei 30 Hz relativ zum 2 dB geringeren Oberbass bei 75 Hz


Hinweis: die Werte der beibehaltenen Originalbauteile wurden gelöscht!

Das Ganze ist zwar "nur" eine Simulation, aber "dummerweise" passen die Messergebnisse sehr gut dazu. Das beobachtete Grundtonloch ist also schon konstruktiv "vorgesehen" und nicht etwa nur eine Folge schlechter Raumakustik. Die Duetta scheint in einem Raum abgestimmt worden zu sein, der die Bassüberhöhung bei 70 Hz "schluckt" und im Bereich des Grundtonlochs "aufdickt", so dass summa summarum ein guter Frequenzgang entsteht - in dem Raum, in dem die Duetta ADW abgestimmt wurde.

Die oben vorgeschlagene Modifikation der Weiche sieht auf dem Papier zwar besser aus, aber ob das in der jeweiligen Hörsituation auch wirklich besser klingt hängt sehr stark vom Hörraum, der Lautsprecher- und Hörposition ab - ein immer bessergibt es leider nicht.

Das ist leider ein grundlegendes Problem: wenn sich der Hörraum des "Nachbauers" deutlich von dem des "Entwicklers" unterscheidet klingt es halt ganz anders. Daher ist das 1:1-Nachbauen von Bauvorschlägen ja auch selten die optimaleLösung im Raum des Nachbauers. Dieses Problem gibt es natürlich auch bei den Fertiglautsprechern, wobei hier oft etwas mehr Aufwand betrieben und die Entwickung zumindest in verschiedenen Räumen überprüft wird.

 

Duetta + Dirac RCS

Um zu hören, wie denn eine optimal an den Raum angepasst Duetta spielen könnte nutzen wir gerne das Tool Dirac Live Room Correction Suite. Hier wird an der Hörposition und 8 "umliegenden" Positionen der Frequenzgang jeder einzelnen Box gemessen und dann mit einem Mixed-Phase-Filter (Kombination von IIR- und FIR-Filtern) dafür gesorgt, dass am Hörplatz ein weitgehend linearer Frequenzgang UNDeine möglichst perfekte Sprungantwort erzielt wird.

Und so sehen die Messungen im Falle der Duetta ADW am Hörplatz aus. Zunächst nur das Zeitsignal an der Hörposition:


-> deutlich ist der "Dröhner" beim 2. Teilsignal (= rechte Box) erkennbar

Und so sehen die Frequenzgänge der linken Box aus (alle 9 Messungen + Mittelwert):


-> im Mittel gibt es auch bei der linken Box Dröhner bei 26 Hz (Längs 6.57 m) und 37 Hz (Quer vorne 4.61 m)

Und jetzt dasselbe bei der rechten Box:


-> im Mittel dominiert hier der Dröhner bei 2x 26 Hz (Längs 6.57 m) bzw. 52 Hz (Quer hinten 3.28 m)

So sehen dann beide Mittelwerte aus und eine mögliche Zielkurve. Diese muss am Hörplatz ja leicht abfallen, weil zum einen die Nachhallzeit zu hohen Frequenzen abfällt und zum anderen die Bündelung des Hochtöners zunimmt:

Nach der Optimierung von Dirac RCS sehen die Mittelwerte dann so aus (die schwarze Kurve ist das angewendete Filter):

Die einzelnen Messpunkte streuen natürlich nach wie vor. Die Streubreite ist ähnlich, der Streubereich sieht jedoch unkritischer aus, da es keine starken Überhöhungen mehr gibt (auf die das menschliche Gehör besonders kritisch reagiert):

Die entsprechenden gemittelten Impulsantworten sehen dann so aus (oben Messung, unten nach Optimierung):


-> typischer Verlauf eines 3-Wege-Systems


-> das kommt einer idealen Impulsantwort (nur ein hoher Wert, alles andere 0) schon sehr nah

Und wie hört es sich an? Na ja, auf jeden Fall wurde es spät und der Duetta-Besitzer holte eine CD nach der anderen raus. Als Liebhaber von Gitarrenrock war er überrascht, wie sehr diese Musik von dem volleren Grundtonbereich und dem "aufpolierten" Höchsttonbereich profitierte: die Gitarren hatten VIEL mehr Druck und nervten nicht mehr so:

 

Fazit:

Der Raum, die Aufstellung der Lautsprecher und die Hörposition haben einen sehr großen Einfluss auf die Musikerwiedergabe - vor allem im Bass- und Grundtonbereich. Bei einer 3-Wege-Box mit tiefer Trennung (wie der hier untersuchten Duetta) kann man diesen Bereich zwar beeinflussen, aber was in einem Raum gut klingt kann im nächsten Raum schon ganz falsch sein. Gerade 3-Wege-Boxen mit tiefer Trennung können stark davon profitieren, dass die Weiche auf die Hörsituation angepasst wird. Da hilft auch keine "auf dem Papier" viel besser aussehende Lösung - das muss vor Ort optimiert werden.

Eine Vor-Ort-Optimierung der besonderen Art stellt die Dirac Live Room Correction Suite dar: hier kann man auch ohne Hardware-Änderungen ein optimales Ergebnis erzielen. Dröhner im Bassbereich werden sicher korrigiert und auch bei unsymmetrischer Aufstellung oder Exemplarstreuungen werden die Musiksignale so vorentzerrt, dass der linke und rechte Lautsprecher genau dasselbe machen. Davon profitiert die räumliche Abbildung ungemein. Als Sahnehäubchen wird auch noch der Zeitbereich korrigiert - Diskussionen über zeitrichtige Lautsprecher (im schalltoten Raum) kann man dann getrost ignorieren.

Doch wie ist es mit dem Besitzer, sieht er das ähnlich?
 

Die Messergebnisse zeigen ja recht deutlich, wo die Probleme liegen und offenbar kann ich mich doch halbwegs auf meine Höreindrücke verlassen. Die in dem Bericht gezeigte Modifikation wird wohl noch einmal einen dreistelligen Betrag für Weichenbauteile kosten. Bevor man den investiert, wäre es ja schön zu wissen, ob die zu erwartende Veränderung denn so ist, wie man sie sich vorstellt. Hier war der gezeigte Einsatz von Dirac (->Link) eine sehr große Hilfe.

An dieser Stelle meines Berichts muss ich aufpassen, nicht zu euphorisch zu schildern. Vor allem ist zu beachten, dass Dirac auch den Raumeinfluss im Bass nahezu komplett herausrechnen kann, was mit jeder noch so aufwendigen Passivschaltung gar nicht geht. Dennoch: Es klang ganz anders und ich wollte gar nicht mehr aufhören meine CDs aufzulegen. Besonders hart war das direkte Umschalten zwischen korrigierter Version und originaler Version. Die korrigierte Version klang sehr ausgeglichen und hat mir deswegen deutlich mehr Spaß speziell bei meiner Gitarrenmusik vermittelt. Bei Zurückschalten klang es als hätte jemand  unmotiviert am Equalizer herumgespielt – oder kurz gesagt es klang (um es noch einmal zu betonen: in meinem Raum) verfärbt. Die nächsten Tage verspürte ich keinerlei Lust meine Anlage anzuschalten. Für mich war klar: Eine Möglichkeit zur Verbesserung werde ich ergreifen (auch wenn sie kostet) und zusätzlich langfristig auf Dirac umsteigen. Die Ergebnisse der realen  Frequenzweichenmodifikation gibt es demnächst.

Eines soll abschließend noch einmal deutlich erwähnt werden: Ich sehe weiterhin nicht, welchen besseren Komplettbausatz ich seinerzeit hätte kaufen können. Meine Auswahl war auf Grundlage der Hörmöglichkeiten und der Hörerfahrung OK. Die Box hat aber ein paar Eigenschaften (s. Bericht), die den Klang auf den Raum recht empfindlich reagieren lassen. Und bei mir hat der Raum eher schlecht gepasst.

Wer einen Arzt besucht und sich nicht sicher ist, sollte vielleicht eine zweite Meinung einholen. Hier der Kurzeindruck eines weiteren AudioClub Kollegen:

Optisch finde ich Stefans Boxen sehr gelungen - schönes Furnier und mit der schwarzen glänzenden Front sehen die richtig edel aus… die würden auch im Wohnzimmer sehr ansehnliche "Objekte" abgeben…. aber auch in seinem Büro sehen sie sehr gut aus.

Klanglich gefielen sie mir allerdings nicht so ganz (insb. wenn man die Kosten und den Aufwand berücksichtigt).
Der Tiefton klang zwar satt, aber unausgewogen - Abstimmung der Box und Aufstellung im Raum ergeben eben die gehörten wenigen Resonanzen nur eben keine "ausgeglichene Tieftonwiedegabe".
Wie der Tiefton klingen kann haben wir ja dann mit DIRAC gehört - also Potential ist da.

Mitten und Höhen waren auch recht unausgewogen, insbesondere Stimmen klangen etwas unnatürlich, manchmal spitz… bis zum leichten verzerren.
Das hat sich etwas gebessert, als die Boxen mehr nach innen eingedreht wurden… da war dann auch die Lokalisierung und die Räumlichkeit deutlich besser - das wäre in jedem Fall eine erste Massnahme.

Was die gesamte Tonalität und Räumlichkeit anbelangt, hat uns dann der Vergleich mit der DIRAC-Entzerrung sehr deutlich gezeigt, was möglich ist.
Bei Stefans Anlage war der ohneDIRAC/mitDIRAC Unterschied ohnehin überdeutlich.
Mit DIRAC war selbst Stefans ("etwas gewöhnungsbedürftige") Musik gut hörbar und es hat ja selbst Stefan überrascht, daß man mit DIRAC in dem "Rauschteppich" seiner Musik sogar einzelne Instrumente erkennen kann… ;-))

So war der Abend auch (mal wieder) ein deutlicher Beweis, wie weit man mit einer vernünftigen Raumabstimmung kommen kann und welch mächtiges "Werkzeug" DIRAC so ist.

 

Kommentare  

# Eismann 2013-07-09 22:53
..was Ihr durch Messungen noch alles an Fehlern herausfindet. Da gucke ich immer noch gerne ab.
Aber besonders stark ist für mich die nachträgliche Boxsim-Untersuc hung. Nehmt Ihr dort die Ersatzschaltbil der, die Justoct bei Impedanzmesunge n ermittelt und gebt die einfach in Boxsim ein? Cool, werde ich jetzt auch mal versuchen.
Aber woher kommt die Frequenzgangkur ve? Idealisiert gerade oder echte Raummessung?

Gruß Eismann
# Wolfgang Suffel 2013-07-05 13:24
Hallo,

ein interessantes Programm, dass ich mir mal probieren werde.

Zur Duetta: Einen "Fehler" würde ich nicht sehen. Warum sollte Udo eine am Markt erfolgreiche Abstimmung mit entsprechenden Verkaufszahlen ändern ?

Das Udo nichts von Aktivbässen oder Saugkreisen zur Impendanzlin. bei Bassreflex hält, ist ja bekannt. Ich bin da auch anderer Meinung und hatte den Bass aktiv. Das er nichts ändert, kann ich aber verstehen. Der Erfolg dieser Box und das überwiegend positive Feedback in den Foren während der letzten 10 Jahre gibt im recht.

Beste Grüsse

Wolfgang
+1 # Alexander Heißmann 2013-07-04 14:37
Möchte mich Franky anschließen: Schön und politisch korrekt geschrieben.

Und auch wenn Sie im Entwicklungsrau m gut funktioniert, so ist die TT/TMT Weiche objektiv gesehen doch fehlerbehaftet. ..
+1 # welthummerhilfe 2013-07-03 22:55
und wurde bereits vor einigen Jahren entwickelt.
# Theo 2013-07-04 14:52
Das ist nicht ganz richtig. Die DoW ist ein anderes Konzept, zumindest im Tieftonbereich. Stichwort: Hochpassgefilte rtes System. Das Problem des fehlenden Oberbasses ist aber auch bei der DoW nicht abschließend gelöst.



Hinzu kommt ein Einbruch zwischen 600 Hz und 1kHz, welchen die Duetta ADW so nicht aufweist.
+2 # Franky 2013-07-03 21:49
Schön politisch korrekt beschrieben. Verstehe nicht warum der Konstrukteur das nicht schon längst geändert hat obwohl der Fehler lange bekannt ist.
# Theo 2013-07-03 22:21
Hi Franky,

ich denke das die Box, wie im Text auch beschrieben, im Raum wo sie abgestimmt wurde gut funktioniert.

:-) Theo
+1 # FlorianK 2013-07-03 20:08
Kasbc - ich denke eine richtige Abstimmung über die Weiche wäre schon vorteilhaft. Kann man natürlich nur durch Kaffeesatzlesen beurteilen. Aber - eine in diesem Fall nicht passende Weiche zu dem Raum biegt hin - und Dirac her ;-)
Aus dem Grund ist meine Meinung - Weiche beibiegen und auch im Bass etwas ändern. Vielleicht höher abstimmen um nicht genau in dem Moden bereich zu wirken ??
Und miniDSP ist ja doch deutlich teurer. Zum miniDSP musst du ja doch noch eine Endstufenkonfig uration packen.
Es hat alles so seine Vor - und Nachteile. Beim miniDSP kann man natürlich einfacher und kostengünstige Ausprobieren. -hat aber die Kosten für mini und Endstufen am Bein.
Meiner Meinung hier wäre - Abstimmung (Weiche +Bassteil überdenken ) durch HSB - und dann Dirac drüber.
+2 # Theo 2013-07-03 22:19
Ich persönlich finde auch das eine korrekte Abstimmung die Grundlage sein sollte, der Rest ist das Sahnehäubchen.
# kasbc 2013-07-04 17:10
Hallo FlorianK,

natürlich brauche eine vernünftig abgestimmte Weiche. Da sind wir uns einig. Was ich immer so frustrierend empfinde ist das viele probieren, das trotz allem Computeruntrstü tzung passiv noch notwendig ist und das Spektrum an Bauteilen, das dazu abzudecken ist. Das kostet schon ne Menge. Und diese Gesamtbauteilek osten meine ich, wenn ich sage miniDSP ist da schnell in Reichweite. Vor allem ist mit so nem Teil die "korrekte Abstimmung" deutlich leichter herbeizuführen (so ein Weichensteckbre tt ala Pico hat auch nicht jeder).
Zu den Kosten der Verstärker bin ich immer etwas hin und hergerissen: Als ernsthaft "besser" habe ich bisher immer nur seeehr teure wahrgenommen. Und damit mein ich Preisregionen, wo ich gar nicht mehr hin will. Und die Klangverbesseru ngen sind deutlcih kleiner als ein accourate, DIRAC etc. erreicht (bei deutlich geringeren Kosten).
Aber wie gesagt: Alle diese "DIRAC"-Bericht e bestätigen mich in meinem Weg. Ich will aber niemanden "konvertieren". Egal was man macht: Wenn man nicht wirklich weiß, was man tut, wird's eh nix.

Gruß
# Theo 2013-07-05 10:17
Hallo kasbc,

""Egal was man macht: Wenn man nicht wirklich weiß, was man tut, wird's eh nix.""

genau da ist das Problem. gestern war nochmal der Besitzer der Duetta bei uns und meinte:

"ich habe einiges gemessen, weil ich nicht zufrieden war. Aber ich habe dann vor den Kurven gesessen und wusste nicht was zu tun war.""

Viele Leute messen mittlerweile, aber die Interpretation der Daten fällt dann sehr schwer.

Wenn man den Führerschein gemacht hat, bedeutet das nicht das man jetzt Autofahren kann.

:-) Theo
+2 # kasbc 2013-07-03 15:17
Hi,
es ist ja nicht das erste mal, dass man DIRAC dazu nutzt festzstellen "was geht". Es stellt sich mir immer mehr die Frage, ob es nicht gleich klüger wäre DIRAC zu nutzen, statt mit der Weiche hinterherzuhech eln.
Gleiches gilt für die "Weiche an sich". Wenn man sieht was einige Bauteile so kosten, Probiererei inbegriffen, hat man die Kosten für miniDSP auch schon beieinander.

Ich fühle mich mit meinem Vorgehen (aktiv, DSP) bestätigt.

Ansonten wie immer hochinteressant . Auch mal einen kritischen und doch seriösen Bericht über die Duetta zu lesen ist ne feine Sache.

Gruß
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