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Der X-ACT LF10CC50 sieht aus wie ein Chassis aus den 80er Jahren, der "Blütezeit" des LS-Selbstbaus: die Kombination aus teilweise rundem (284 mm Außendurchmesser) und teilweise quadratischem Druckgusskorb (262 x 262 mm Außenabmessungen) und auch das Membranmaterial Polypropylen war typisch für diese Zeit.

Und der Eindruck täuscht nicht: der X-ACT LF10CC50 ist tatsächlich gut 25 Jahre alt, hat diese Zeit jedoch Dornröschen-like schlafend im Karton verbracht und gilt daher als NOS (Never Out of Stock = hat niemals das Lager verlassen = neuwertige Lagerware).

Des Rätsels Lösung: ein uns bekannter DIY-Profi hat seinen Dachboden (nach vielen Jahren) aufgeräumt und bat uns die Chassis für ihn zu veräußern. Laut seiner Aussage wurden die Chassis damals von CORAL gefertigt, derselben Firma, die auch die legendären Breitbänder (z.B. CORAL Flat- bzw. Beta-Serie) gebaut hat und für VISATON damals die hochwertige Technology Line gefertigt haben soll.

Um zu sehen ob die Teile noch fit sind und mit heutigen Konstruktionen mithalten können haben wir 1 Paar der Chassis mal in unserer Folterkammer auf Her(t)z und Nieren geprüft

 

 

Chassis-Datenblatt © www.hifi-selbstbau.de
So werden Lautsprecherchassis von HiFi-Selbstbau gemessen
Hersteller: X-ACT Typ: LF 10 CC 50, 8 Ohm Datenblatt des Herstellers

Foto des Chassis


    
Membranfläche: Außendurchmesser:
Innendurchmesser:
Plugdurchmesser:
-> Membranfläche Sd:
228 mm
193 mm
0 mm
348.0 cm²
TSP aus Messung
mit Zusatzmasse
(Mittelwert und Streuung
von 2 Chassis, Anregung -12 dB):
Resonanzfrequenz Fs
DC-Widerstand Rdc
Mechanische Güte Qms
Elektrische Güte Qes
Gesamtgüte Qts
Effektive bewegte Masse Mms
Äquiv. Luftvolumen Vas
Kraftfaktor BL
Wirkungsgrad Eta (1m, 2.83V, Halbraum)
30.04 Hz (+/-0.6%)
7.32 Ohm (+/-0.0%)
12.439 (+/-6.2%)
0.348 (+/-0.2%)
0.338 (+/-0.4%)
38.62 gr (+/-1.1%)
124.80 dm³ (+/-0.1%)
12.39 N/A (+/-0.1%)
92.18 dB (+/-0.08) 


Pseudorauschen > 200 Hz (0°, 15°, 30°, 45°, 60°; MP3 42 kB)

 


Sprungantwort (Chassis 1, 20 cm, 0°)

Zerfallspektrum (Chassis 1, 20 cm, 0°)
   


Klirrfaktor bei 85 bis 100dB/1m (Halbraum)
 

 

 

Kompletter Datensatz beider Chassis (Impedanz, Schalldruck, Bündelungsgrad und Schallleistung im OCT-Format, Klirrfaktor und komplexer Frequenzgang als TXT-Datei, ZIP, 86 kB)
Hinweis: Beide Chassis sind 12 Stunden eingerauscht!

Unsere Meinung:

    • Der äußere Eindruck:Der X-ACT LF10CC50 sieht aus wie ein Chassis aus den 80er Jahren, der "Blütezeit" des LS-Selbstbaus: die Kombination aus teilweise rundem (284 mm Außendurchmesser) und teilweise quadratischem Druckgusskorb (262 x 262 mm Außenabmessungen) und auch das Membranmaterial Polypropylen war typisch für diese Zeit.

       

Und der Eindruck täuscht nicht: der X-ACT LF10CC50 ist tatsächlich gut 25 Jahre alt, hat diese Zeit jedoch Dornröschen-like schlafend im Karton verbracht und gilt daher als NOS (Never Out of Stock = hat niemals das Lager verlassen = neuwertige Lagerware). Des Rätsels Lösung: ein uns bekannter DIY-Profi hat seinen Dachboden (nach vielen Jahren) aufgeräumt und bat uns die Chassis für ihn zu veräußern. Laut seiner Aussage wurden die Chassis damals von CORAL gefertigt, derselben Firma, die auch die legendären Breitbänder (z.B. CORAL Flat- bzw. Beta-Serie) gebaut hat und für VISATON damals die hochwertige Technology Line gefertigt haben soll.
Der Magnet hat einen Durchmesser von 140 mm und ist 17 mm hoch, bei einem Schwingspulendurchmesser von 50 mm und der mit knapp 39 gr für einen 25er Bass relativ leichten Membran reicht dies für einen ordentlichen Antrieb. Der Polkern ist großzügig durchbohrt (Durchmesser 25 mm) und entlüftet so das unter der 80 mm durchmessenden Staubschutzkalotte eingeschlossene Volumen. Die Zentrierspinne ist allerdings - der damaligen Zeit entsprechend - NICHT hinterlüftet. Trotzdem ist die mechanische Güte mit 12.5 sehr hoch und das Chassis zeigt sich im Impedanzverlauf um die Resonanzfrequenz herum völlig unbeeindruckt von höheren Anregungspegeln - Respekt!

Die TSP:Die Resonanzfrequenz liegt mit 30 Hz für heutige Verhältnisse recht niedrig - damals war das so üblich. Dank ordentlichem Antrieb und relativ geringer Membranmasse beträgt der Wirkungsgrad 92.2 dB/2.83V/m, die Kehrseite der Medaille ist allerdings ein recht hohes Äquivalentvolumen von 125 Litern. Die Einbaugüte von knapp 0.34 ist ideal für eine Bassreflexbox - die gerne etwas größer ausfallen darf (auch das war damals so üblich): 75 Liter Gehäusevolumen und Bassreflexunterstützung sollten es schon sein, in einem geschlossenen Gehäuse ist nämlich kein wirklicher Tiefgang zu erwarten.
Die Streuung der TSPs ist extrem gering.

    • Der Frequenzgang:. . . verläuft bis 800 Hz fast perfekt. Auf Achse steigt der Frequenzgang danach bis 1.25 kHz leicht an um dann bis 2 kHz sanft abzufallen. Unter größeren winkeln beginnt der Abfall schon ab 1 kHz. Während es auf Achse und 15° noch ein leichtes Aufbäumen zwischen 2 und 4 kHz gibt ist der Abfall unter höheren winkeln zunehmend gleichmäßig. Dieses Verhalten spiegelt sich auch im winkelgewichteten Schalldruckverlauf wider, der bis 1 kHz fast perfekt linear verläuft und dann - bis auf das leichte Aufbäumen um 2.5 kHz herum - gleichmäßig abfällt. Ebenso gleichmäßig steigt der Bündelungsgrad oberhalb von 1 kHz an. Dieses gleichmäßige Verhalten ist einer der wesentlichen Vorteile einer gut gemachten Polypropylenmembran.
    • Der Klirrfaktor:Der "harmonische" Klirrfaktor K2 verläuft fast über den gesamten nutzbaren Frequenzbereich linear und ist stark vom Anregungspegel abhängig. Demgegenüber zeigen sich die "unharmonischen" K3 (und K5 und k7) weitgehend unbeeindruckt vom Anregungspegel. Wegen der K3-Doppelspitze bei 800 und 1000 Hz ist der LF10CC50 vor allem für 3-Wege-Systeme geeignet, wobei er bis 700 Hz fast perfekt aufspielt und so einer der wenigen Bässe ist, die mit großen Mitteltonkalotten kombiniert werden kann. Bei einem mittleren Schalldruckpegel von 85 / 90 / 95 / 100 dB liegt K2 im Frequenzbereich von 40 bis 700 Hz im Mittel bei 0.37 / 0.66 / 1.20 / 2.30%. Für K3 gilt in diesem Bereich ein Mittelwert von 0.19 / 0.22 / 0.27 / 0.46%. Nach unseren Erkenntnissen (s. Klirrfaktor - wie viel ist zu viel?) wäre K2 bis 100 dB komplett unhörbar. K3 ist bei geringen Lautstärken oberhalb von 400 Hz gerade hörbar, bei 100 dB jedoch bis 700 Hz unter der Wahrnehmungsschwelle. Die K5-Spitze bei 600 Hz ist immer hörbar, ebenso die K7-Spitze bei 400 Hz. Dies gilt jedoch nur bei Sinusanregung, bei komplexer Musik ist die Wahrnehmungsschwelle für Klirrfaktor deutlich höher.
    • Die Pegellinearität:. . . sieht auf den ersten Blick nicht so toll aus, aber gerade im energiereichen Grundtonbereich von 100 bis 500 Hz kommt es bis 20 Volt (immerhin 109 dB SPL in 1m) kaum zu Kompressionseffekten. Zwischen 40 und gut 1 kHz wird die Marke für 1 dB Kompression bis zu einem Anregungspegel von +16 dB re 2 Volt (= 105 dB SPL in 1m) nur ganz sporadisch kurz überschritten. Der LF10CC50 dürfte also kein Kind von Traurigkeit sein.
  

 
HiFi-Selbstbau-Fazit: 

 
Der X-ACT LF10CC50 ist ein 25er Bass alter Schule mit einem relativ hohem Wirkungsgrad von 92.2 dB/2.83V/m. Dank einer recht tiefen Resonanzfrequenz von 30 Hz und praxisgerechten TSPs ist eine untere Grenzfrequenz von < 40 Hz machbar - dafür wird allerdings ein 100 l großes Bassreflexgehäuse benötigt (75 Liter sollten es mindestens sein).Trotz fehlender Hinterlüftung der Zentrierspinne wird eine hohe mechanische Güte (also geringe mechanische Verluste) erreicht - gewusst wie!Dank Polypropylenmembran verlaufen der Frequenzgang und das Rundstrahlverhalten bis 1 kHz beinahe perfekt, lediglich der Klirrfaktor und die Pegellinearität legen eine tiefere Übergangsfrequenz von ca. 700 Hz nahe. Damit ist selbst eine Kombination mit 3" großen Mitteltonkalotten machbar.Der Preis von 65 €/Stück bzw. 120 €/Paar dürfte in Anbetracht der gebotenen Qualität in Ordnung gehen. Wir haben ca. 30 Stück dieser Bässe aufgekauft und werden Sie in Kürze im Shop anbieten. Darüber hinaus fallen uns da spontan zwei, drei schöne Projekte ein.