Chassis-Datenblatt © www.hifi-selbstbau.de
So werden Lautsprecherchassis von HiFi-Selbstbau gemessen
Hersteller: VISATON Typ: KE25SC, 8 Ohm Datenblatt des Herstellers

Foto des Chassis im Messraum

 


 

 

Membranfläche: Außendurchmesser:
Innendurchmesser:
Plugdurchmesser:
-> Membranfläche Sd:
27 mm
25 mm
0 mm
5.31 cm²
TSP aus Messung
mit Impedanzentzerrung
(Mittelwert und Streuung
von 2 Chassis):
Resonanzfrequenz Fc
DC-Widerstand Rdc
Mechanische Güte Qmc
Elektrische Güte Qec
Gesamtgüte Qtc
Wirkungsgrad Eta (1m, Halbraum)
1264 Hz (+/-7.0%)
5.26 Ohm (+/-0.9%)
1.478 (+/-6.4%)
3.634 (+/-7.7%)
1.048 (+/-2.3%)
90.14 dB (+/-0.01)

Pseudorauschen > 1000 Hz (0°, 15°, 30°, 45°, 60°; MP3 42 kB)

 


Sprungantwort +1.5 V -> -1.5 V

 


Klirrfaktor bei 85 bis 95dB/1m (Halbraum)

 


 


Kompletter Datensatz beider Chassis (Impedanz und SPL im OCT-Format, Klirrfaktor als TXT-Datei, ZIP, 15 kB)
Hinweis: Beide Chassis sind neu!

Unsere Meinung:
  • Der äußere Eindruck:
    Der KE25SC ist Understatement pur: die empfindlche Keramikmembran ist hinter einem Drahtgitter versteckt, die stabile Metallfrontplatte ist sehr dezent lackiert. Auf der Rückseite zeigt er ein ungewohntes Erscheinungsbild: der Magnet ist nicht zu erkennen, dafür ist er unförmig wie ein Buckelwal! Des Rätsels Lösung ist ein integriertes Entzerrungsnetzwerk, dass sich unter einer Metallabdeckung verbirgt. Dadurch ist der KE25SC auch magnetisch geschirmt.

     

  • Die TSP:
    Der KE25SC kommt serienmäßig mit einem Entzerrungsnetzwerk, dass die relativ hohe Resonanzfrequenz von ca. 1250 Hz netterweise so gut "glattbügelt", dass die Erstellung einer passiven Frequenzweiche auch bei geringer Trennfrequenz nach Lehrbuch funktioniert. Leider klappt die Impedanzentzerrung nicht ganz perfekt, aber die verbleibenden Impedanz-"Spitzchen" sind harmlos. Wer will kann die Schaltung auch einfach "deaktivieren", indem die herausgeführten Kabel einfach entlötet werden. Davon sollte aber nur bei Einsatz in Aktivboxen oder hoch getrennten 3-Wege-Boxen Gebrauch gemacht werden, oder wenn eine individuell angepasst Entzerrung erstellt werden kann. Das ist jedoch ohne Messtechnik nicht zu bewerkstelligen, außerdem sollte man dem Hochtöner dann erst eine Einspielzeit gönnen nach dem Motto: wenn schon, denn schon!

     

  • Der Frequenzgang:
    Ab 1.4 kHz läuft der KE25SC wie mit dem Lineal gezogen. Auch außerhalb der Achse fällt der Frequenzgang nur gering und gleichmäßig ab, was auch beim Anhören des winkelabhängigen Schalldrucks positiv auffällt. Dafür ist neben dem steifen Membranmaterial ein Diffusor in Form eines durchsichtigen Folienringes verantwortlich, der innerhalb des Drahtgitters angebracht ist. Die Sprungantwort zeigt keine hochfrequenten Resonanzen. Das Chassis schwingt auf der mechanischen Eigenresonanz nach. Der Wirkunggrad ist mit 90.7 dB/2.83V/m in Anbetracht des geringen Gleichspannungswiderstandes von nur 5.26 Ohm eher gering, in den allermeisten Fällen jedoch vollkommen ausreichend.

     

  • Der Klirrfaktor:
    Der Klirrfaktor besteht im Wesentlichen aus dem "harmlosen" K2 und dem "unharmonischen" K3: K4 bis K8 sind oberhalb von 1 kHz selbst bei 95 dB < 0.035%! Der Klirrfaktor k2 steigt unterhalb von 4000 Hz an, k3 erst unterhalb von 1250 Hz. Selbst bei 95 dB ist k3 dort < 0.15%! K2 überschreitet bei 2 kHz und 95 dB nur knapp die 1%-Marke und ist damit unhörbar, wie die folgende MP3-Datei beweisst. Dort kommt zunächst 1 sec. lang 2 kHz ohne Klirrfaktor, dann 1 sec. mit 1% k2 und dann zusätzlich 0.1% k3. Zwischendurch wird immer kurz ausgeblendet, damit man weiss was man gerade hört:

    MP3-Datei (23 kB)

     


HiFi-Selbstbau-Fazit:


Der VISATON KE25SC sieht unscheinbar aus, hat es aber faustdick hinter dem Abdeckgitter: auch bei hohen Lautstärken und harten Impulsen zeigen sich kaum Kompressionseffekte. Durch die breite Abstrahlung kommt der Bedämpfung des Hörraums eine stärkere Bedeutung zu: in "cool" eingerichteten Designerwohnungen mit Fliesen- bzw. Parkettboden und vielen Glasflächen wird der KE25SC einfach nur spröde und hart klingen. Bei einer am unteren Rand des Idealbereichs liegenden Nachhallzeit dürfte er zur Höchstform auflaufen. Im Lichthof in Gelsenkirchen hat er in der aktivierten Trio jedenfalls eine sehr gute Vorstellung gegeben.

Der KE25SC ist aufgrund des hohen Preises von 125 €/Stück nicht gerade ein Chassis das man sich mal so hinlegt. Wenn seine Qualitäten (linearer Frequenzgang, tief einsetzbar, geringer Klirrfaktor) jedoch benötigt werden ist er jeden Euro wert! Alles in allem ein breitbandig einsetzbarer Hochtöner für die impulsiveren Momente des Lebens!