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OMNES AUDIO MW6 B - LoCo die Zweite

 

Vor etwa 5 Jahren wurde bei Blue Planet der LoCo 6.1 vorgestellt - ein sehr preiswerter (LoCo = low cost) Tief-/Mitteltöner in der beliebten 17cm-Klasse. Für 25 € bekam man ein hübsch aussehendes Chassis, dem Klang & Ton (1/2017) und Hobby HiFi (4/2017) darüber hinaus ausgezeichnete Messwerte bescheinigten.

Nick Baur hat das Chassis jetzt moderat überarbeitet und dabei - nach eigener Aussage - deutlich verbessert. Darum darf sich der LoCo 6.1 nach 5 Jahren "Probezeit" jetzt OMNES AUDIO MW6 B nennen. Erfreulicherweise konnte der Preis beibehalten werden.

Unser detailliertes Datenblatt klärt, wie man den OMNES AUDIO MW6 B optimal einsetzen kann . . .

 

Chassis-Datenblatt © www.hifi-selbstbau.de
So werden Lautsprecherchassis von HiFi-Selbstbau gemessen
Hersteller / Vertrieb: OMNES AUDIO / BPA Typ: MW6 B, 8 Ohm Datenblatt des Herstellers nicht verfügbar

Foto des Chassis



Der äußere Eindruck:

Von vorne sieht der MW6 B wirklich chic aus: die schwarze Papiermembran ist auf der Vorderseite beschichtet und sieht dort eher wie eine Kunststoffmembran aus. Die Staubschutzkalotte ist aus demselben Material gefertigt und jetzt invers (Durchmesser 50 mm).
Beim Korb fällt zunächst mal die "abgeknabberte" Form auf: der 187 mm durchmessende Korb ist an den Seiten "abgeschnitten" und dort nur 166 mm breit. Mit 6 Schrauben (Lochkreisdurchmesser 174 mm) lässt sich das Chassis bombenfest montieren. Der Korb ist strukturiert (3 mm hoch) und läuft zum Rand hin flach aus, so dass sich ein Einfräsen erübrigt: das dürfte den nicht so versierten Holzwurm ohne Oberfräse freuen ;-) Dass der Korb aus Stahlblech ist sieht man von vorne erst auf den 2. Blick.
Von hinten sieht man das natürlich sofort. Trotz Stahlblechkorb ist der Bereich hinter der Zentrierspinne großzügig hinterlüftet. Durch diese Öffnungen ist auch sehr schön der 5-fach gelochte Schwingspulenträger zu erkennen - und dass die Schwingspule nun 32 mm Durchmesser hat. Der Magnet hat einen Durchmesser von 90 mm und ist 20 mm hoch. Das ist nicht gerade üppig für eine 32 mm durchmessende Schwingspule. Ein 12 mm hoher Aufsatzmagnet (Durchmesser 69 mm (außen) bzw. 32 mm (innen)) verstärkt daher den Haupt-Magneten, indem es dessen Magnetfeld bündelt.


 

Die TSP:

Membranfläche:   Außendurchmesser:
  Innendurchmesser:
  Plugdurchmesser:
  -> Membranfläche Sd:
  143 mm
  118 mm
  0 mm
  133.8 cm²
TSP aus Messung mit Zusatzmasse  
(Mittelwert und Streuung von
2 Chassis, Anregung -12 dB):
  Resonanzfrequenz Fs
  DC-Widerstand Rdc
  Mechanische Güte Qms
  Elektrische Güte Qes
  Gesamtgüte Qts
  Effektive bewegte Masse Mms
  Äquivalentes Luftvolumen Vas
  Kraftfaktor BL
  Wirkungsgrad Eta (1m, 2.83V, Halbraum)  
  59.15 Hz (+/-0.7%)
  6.85 Ohm (+/-0.2%)
  3.249 (+/-2.1%)
  0.598 (+/-0.5%)
  0.505 (+/-0.8%)
  14.21 gr (+/-3.2%)
  12.93 dm³ (+/-4.5%)
  7.78 N/A (+/-1.8%)
  89.09 dB (+/-0.14)

 

Im Impedanzverlauf deuten sich leichtere Störungen bei 450 Hz und 1250 Hz an, die sich - wie üblich - auch als leichte Störungen im Frequenzgang wiederfinden.

Die Resonanzfrequenz ist moderat vom Anregungspegel abhängig, sie ändert sich bei Erhöhung der Anregung von -18 auf +6 dB um 12.5%.

Auffällig ist die für einen Tief-/Mitteltöner relativ hohe Resonanzfrequenz von etwa 59 Hz, wobei sich die bewegte Masse mit gut 14 gr im "üblichen Rahmen" bewegt. Die Nachgiebigkeit der Membranaushängung (bestehend aus Sicke und Zentrierspinne) ist mit 0.51 mm/N relativ gering und beschert dem MW6 B so ein moderates Äquivalentvolumen von knapp 13 Litern.
Der Wirkungsgrad ist mit 89.2 dB/2.83V/m (Mittelwert 150 bis 2500 Hz) recht hoch.

Die Streuung der TSPs ist gering, das lässt auf eine gute Serienkonstanz schließen.

Und was sagt LASIP zu den TSPs?

In einem geschlossenen Gehäuse von 10 Litern geht es nur bis 84 Hz runter (Qtc = 0.77, rote Kurve). In einer 26 Liter großen Bassreflexbox geht es immerhin bis 43 Hz runter (grüne Kurve). Hat man nur 18 Liter zur Verfügung geht es nur bis 49 Hz runter. Die Abstimmfrequenz beträgt in beiden Fällen relativ hohe 48 Hz -> wenn mal tiefe Töne um 35 Hz kommen dann ergeben sich sehr hohe Auslenkungen.


Der Frequenzgang:

. . . verläuft auf Achse bis etwa 2 kHz wie mit dem Lineal gezogen (Mittelwert 89.11 dB (150 bis 2000 Hz), Streuung +/- 0.68 dB)! Danach steigt der Frequenzgang bis zur gut bedämpfen ersten Membranresonanz bei 4.1 kHz um knapp 3 dB an und fällt dann bis 5.2 kHz um fast 10 dB ab. Auf Achse gibt es noch ein zweites Aufbäumen um 8.5 kHz (Maximum ca. 89 dB).
Die Bündelung setzt ab ca. 1 kHz ein, steigt bis 1.9 kHz nur sehr wenig an, darüber dann aber umso stärker. Auch unter Winkeln ist die Membranresonanz um 4.1 kHz erkennbar, daher findet sie sich auch im winkelgewichteten Schalldruck wieder.
Damit bietet sich der OMNES AUDIO MW6 B auch als Partner für ein 2-Wege-System mit Trennung bei 2 kHz an.

Die Streuung der beiden Chassis ist selbst im Bereich der Membranresonanzen gering - ein erneutes Zeichen für eine gute Serienkonstanz.

Pseudorauschen > 200 Hz (0°, 15°, 30°, 45°, 60°; MP3 42 kB)

 


Sprungantwort/Pegellinearität

 

Die Sprungantwort sieht fast aus wie aus dem Lehrbuch - sie ist lediglich überlagert durch das Nachschwingen der Membranresonanz bei 4.1 kHz.
Das periodenskalierten Zerfallspektrum sieht ebenfalls sehr gut aus, selbst die erste Membranresonanz bei 4.1 kHz klingt noch rasch aus.

Sprungantwort (Chassis 1, 20 cm, 0°)

Zerfallspektrum (Chassis 1, 20 cm, 0°)


Die Pegellinearität:

Bei einer Anregung von 85 bis 105 dB in 1 m Abstand (das entspricht einer Eingangsleistung von 0.44 bis 44 Watt an 6.85 Ohm) sind oberhalb von 50 Hz nur sporadisch Linearitätsfehler > 0.5 dB erkennbar. Dies ist auch der relativ harten Einspannung zu verdanken.


Der Klirrfaktor:

Die Klirrkomponente K2 zeigt oberhalb von 50 Hz ein weitgehend lineares Verhalten und steigt moderat mit dem Anregungspegel. Der unharmonische K3 steigt unterhalb von 100 Hz deutlich und oberhalb von 200 Hz bis 1 kHz leicht an und zeigt ein Plateau von 1.25 bis 3.15 kHz. Dabei steigt K3 nur gering mit dem Anregungspegel. Ein ähnliches Verhalten zeigt K5 bei 60% (3/5) der obigen Frequenzen.

Bei einem mittleren Schalldruckpegel von 80 / 85 / 90 / 95 / 100 / 105 dB liegt K2 zwischen 50 und 2500 Hz im Mittel bei geringen 0.160 / 0.284 / 0.503 / 0.915 / 1.779 / 1.649 %. Für K3 gilt in diesem Bereich ein Mittelwert von moderaten 0.209 / 0.238 / 0.286 / 0.397 / 0.829 / 2.167%. Bei 105 dB mittlerem Schalldruckpegel (das entspricht einer Anregung von 44 Watt) kommt das Chassis an seine Grenzen.

Nach unseren Untersuchungen (Klirrfaktor - wie viel ist zu viel?) wäre K2 im untersuchten Pegel- und Frequenzbereich weitgehend unhörbar - lediglich bei sehr tiefen Frequenzen und höheren Pegel besteht die Chance K2 zu hören (bis 85 dB < 34 Hz, bis 95 dB 38 Hz, bis 105 dB 42 Hz). Auch K3 ist bei tiefen Frequenzen und höheren Pegeln hörbar (< 30 Hz bei 80 dB bis < 50 Hz bei 105 dB) - das ist für einem 17er OK. Aber auch im mittleren Frequenzbereich ist K3 zwischen 596 und 1679 Hz bei Pegeln von 80 bis 90 dB leicht oberhalb der Wahrnehmbarkeitsschwelle. Bei höheren Pegeln nimmt K3 kaum zu, daher ist er bei 100 und 105 dB mittlerem Schalldruckpegel "nur" von 944 bis 1585 Hz wahrnehmbar. K4 ist nur bei tiefen Frequenzen und hohen Pegel hörbar. K5 verhält sich ähnlich wie K3 und ist zwischen 562 und 1334 Hz wahrnehmbar. Beide Chassis verhalten sich weitestgehend identisch - ein weiteres Zeichen für eine gute Serienkonstanz

Klirrfaktor bei 80 bis 105dB/1m (Halbraum, 20cm (105 dB 48 cm))


HiFi-Selbstbau-Fazit:

Der OMNES AUDIO MW6 B überzeugt mit durchweg guten Messwerten in unserer Folterkammer:

  • die TSPs versprechen eine untere Grenzfrequenz von 43 Hz in einem 26 l großen Bassreflexgehäuse
  • der Frequenzgang verläuft bis 2000 Hz wie mit dem Lineal gezogen
  • hohe Anregungen im Bassbereich werden zwar mit Klirrfaktor quittiert, aber dank relativ harter Einspannung schlägt das Chassis nicht an
  • die Klirrkomponenten liegen nur knapp über der Wahrnehmbarkeitsgrenze - auch bei höheren Pegeln
  • die Exemplarstreuung ist in allen Disziplinen sehr gering

Damit empfiehlt sich der OMNES AUDIO MW6 B für vielfältige Einsatzgebiete bis hin zum Tief-/Mitteltöner in einem bei 2 kHz getrennten 2-Wege-System. Der Wirkungsgrad liegt mit 89.1 dB/2.83V/m recht hoch, das Impedanzminimum liegt um 320 Hz bei gutmütigen 7.05 Ohm.

Mit einem UVP von 25 € ist der OMNES AUDIO MW6 B ein echter Knaller und sollte in keiner Bastelkiste fehlen. Bei dem Preis dürfen es auch schon einmal 2 oder 4 Stück pro Box werden . . .

Idealer Spielpartner für eine 2-Wege-Box scheint uns der OMNES AUDIO T25H für mittlerweile 18 € zu sein: bei Blue Planet Acoustic gibt es den entsprechenden Bausatz Empor S (ehemals Shorty_2016) aktuell bereits für 59 €/Stück, dem Klang & Ton in der Ausgabe 3/2017 "hoch anständigen Sound ohne Schwächen" attestiert hat.

Wir planen eine Variante zum Einbau in ein IKEA-Kallax-Regal (ähnlich dem Bausatz Klaks) und entwickeln dafür eine Weiche, die diese spezielle Hörsituation (Regalbox, wandnah, hören unter 30°) und das ggf. andere Verhalten des "neuen" LoCo berücksichtig - stay tuned . . .

Kompletter Datensatz von 2 Chassis (Impedanz, Schalldruck, Bündelungsgrad und Schallleistung im OCT-Format, Klirrfaktor und komplexer Frequenzgang als TXT-Datei, ZIP, 110 kB)