Aus TB mach.... M

Als MONACOR 2009 seine TB-Serie auflegte hatten wir 3 Chassis davon für unsere Genuine ausgewählt. Leider war der TB-Serie kein langes Dasein im MONACOR-Sortiment beschieden (was ansonsten für MONACOR eigentlich sehr ungewöhnlich ist), so dass die Genuine noch bevor sie fertig wurde schon nicht mehr nachbaubar war.

Da wir vom Konzept der Genuine (2x 20er Bass + 75 mm Mitteltonkalotte + Bändchenhochtöner) überzeugt waren haben wir sie - auch auf Drängen unserer Abonnenten - dennoch auf der HMW2010 vorgestellt. Dort konnte insbesondere die 75mm-Kalotte zeigen, dass sie normalen Konusmitteltönern überlegen ist.

Da die Mitteltonkalotte nach wir vor über Umwege erhältlich ist und es auch im Hochtonbereich Alternativen zum MONACOR-Bändchen gibt stricken wir im Hintergrund daran, eine neue (nachbaubare) Version der Genuine zu entwickeln. Mit dem SPH-8M liefert MONACOR nun einen interessanten Nachfolger des SPH-8TB, den wir in unserem Chassistest ausgiebig unter die Lupe nahmen . . .

 

 

 

Chassis-Datenblatt © www.hifi-selbstbau.de
So werden Lautsprecherchassis von HiFi-Selbstbau gemessen
Hersteller/Vertrieb: MONACOR Typ: SPH-8M, 8 Ohm Datenblatt des Herstellers

Foto des Chassis
 

Membranfläche: Außendurchmesser:
Schwingspulendurchmesser:
Plugdurchmesser:
-> Membranfläche Sd:
180 mm
146 mm
0 mm
208.7 cm²
TSP aus Messung
mit Zusatzmasse
(Mittelwert und Streuung
von 2 Chassis, Anregung -12 dB):
Resonanzfrequenz Fs
DC-Widerstand Rdc
Mechanische Güte Qms
Elektrische Güte Qes
Gesamtgüte Qts
Effektive bewegte Masse Mms
Äquiv. Luftvolumen Vas
Kraftfaktor BL
Wirkungsgrad Eta (1m, 2.83V, Halbraum)
34.69 Hz (+/-0.9%)
6.59 Ohm (+/-0.9%)
1.816 (+/-2.2%)
0.456 (+/-4.8%)
0.364 (+/-4.3%)
24.42 gr (+/-0.2%)
53.22 dm³ (+/-1.6%)
8.78 N/A (+/-3.2%)
89.63 dB (+/-0.22)

Pseudorauschen > 200 Hz (0°, 15°, 30°, 45°, 60°; MP3 42 kB)

 


Sprungantwort (Chassis 2, 20 cm, 0°)

Zerfallspektrum (Chassis 2, 20 cm, 0°)

 


Klirrfaktor bei 80 bis 100dB/1m (Halbraum)

 


 

Kompletter Datensatz beider Chassis (Impedanz, Schalldruck, Bündelungsgrad und Schallleistung im OCT-Format, Klirrfaktor und komplexer Frequenzgang als TXT-Datei, ZIP, 86 kB)
Hinweis: Beide Chassis sind 24 Stunden eingerauscht!


Unsere Meinung:
  • Der äußere Eindruck:
    Der SPH-8M sieht solide und wertig aus. Einen großen Anteil daran haben der Druckgusskorb mit seinen 6 Befestigungslöchern und die relativ breite Gummisicke. Die seidenmatt glänzende Membran ist ebenso wie die 78 mm durchmessende Staubschutzkalotte aus Polypropylen. Es wurde allerdings eine recht steife und relativ wenig dämpfende Variante eingesetzt, wie ein Reibtest mit dem Finger zeigt. Das Volumen hinter der großen Staubschutzkalotte wird über eine 10 mm durchmessende Polkernbohrung belüftet.
    Von hinten erkennt man, der sich der SPH-8M den Druckgusskorb vom Number One SPH-225C ausgeliehen hat. Beim SPH-8M sind allerdings sowohl der Magnet (112 statt 140 mm) als auch die Schwingspule (38 statt 50 mm) kleiner im Durchmesser - das spart Kosten.
    Die Zentrierspinne ist nicht hinterlüftet, ein Indiz für eine nicht allzu moderne Konstruktion. Das zwischen Zentrierspinne und Polplatte eingeschlossene Volumen ist durch die Topfform allerdings recht groß, so dass Kompressionseffekte dort kaum zu befürchten sind. Früher hatte man halt mehr Angst davor, dass Absorptionsmaterial in den Luftspalt geraten könnte - heute lässt man den Luftspalt einfach offen und brüstet sich mit einer hinterlüfteten Zentrierspinne. Die vordere Polplatte ist 6 mm dick, es wird ein linearer Hub von "nur" +/- 4.5 mm angegeben.

  • Die TSP:
    Die ermittelten TSPs weichen zum Teil recht deutlich von den Herstellerangaben ab: die Resonanzfrequenz stimmt zwar recht gut überein, aber sowohl die Membranmasse als auch die Güte weicht deutlich ab. Bei Analyse der Herstellerdaten mit TspCheck fällt auf, dass diese in mehreren Punkten nicht stimmig sind:

    Die Paargleichheit der ermittelten TSPs ist sehr gut, ein Indiz für eine gute Fertigungsqualität.
    Mit einer Resonanzfrequenz von 34.7 Hz, einer Gesamtgüte von 0.364 und einem äquivalenten Luftvolumen von 53.2 l ist der SPH-8M prädestiniert für den Einbau in ein Bassreflexgehäuse. In 35 l geht er immerhin bis 40 Hz runter:

    Im Impedanzverlauf deutet sich Resonanzen bei 900, 2600 und 3400 Hz, die sich allsamt - wie üblich - im Frequenzgang wiederfinden.
      

  • Der Frequenzgang:
    . . . des SPH-8M verläuft bis 800 Hz perfekt linear, hat dann einen schmalen Einbruch gefolgt von einer kleinen "Treppe". Auf Achse steigt er dann bis 3.5 kHz um knapp 10 dB an, unter 30° verläuft er weitgehend linear. Ab 1.25 kHz setzt die Bündelung ein.
    Die Paargleichheit ist auf Achse bis 800 Hz sehr gut, der winkelgewichtete Schalldruck ist bis 1800 Hz sehr ähnlich.
     
  • Der Klirrfaktor:
    Die Klirrkomponente K2 verläuft von 50 bis 3000 Hz fast wie mit dem Lineal gezogen. K3 steigt kontinuierlich von 200 bis 1200 Hz an (1/3 der Membranresonanz) - dies empfiehlt den SPH-8M eher für ein 3-Wege-System. Während K2 wie üblich recht stark vom Anregungspegel abhängt bleiben die "ungeraden" Klirrkomponenten weitgehend unbeeinflusst davon.
    Bei einem mittleren Schalldruckpegel von 80 / 85 / 90 / 95 / 100 dB liegt K2 zwischen 50 und 500 Hz im Mittel bei 0.22 / 0.38 / 0.70 / 1.26 / 2.27%. Für K3 gilt in diesem Bereich ein Mittelwert von 0.15 / 0.17 / 0.21 / 0.29 / 0.53%.
    Das ist nach unseren Erkenntnissen (s. Klirrfaktor - wie viel ist zu viel?) unterhalb von 400 Hz von 80-100 dB selbst bei Sinustönen nicht hörbar, bis 500 Hz klappt es für K3 und K5 nicht ganz. Bei komplexer Musik dürften die Hörschwellen für Klirrfaktor aber noch deutlich höher liegen.
      
  • Die Pegellinearität:
    Bei tiefen Frequenzen unterhalb des Impedanzminimums tut sich wie immer etwas durch die dynamische Veränderung der TSPs. Darüber verliert der SPH-8M bis zu einer Anregung von 20 V (= 106 dB in 1m) in der Regel maximal 0.5 dB (nur an 3 Stellen bis zu 1.0 dB).

     


HiFi-Selbstbau-Fazit:


Der MONACOR SPH-8M ist ein grundsolides Chassis. Bei hohen Anforderungen an die Frequenzganglineariät und den Klirrfaktor empfehlen wir den Einsatz als Basslautsprecher in einem 3-Wege-System mit einer Trennfrequenz von bis zu 800 Hz. Seine TSPs legen den Einbau in ein 35l großes Bassreflexgehäuse nahe, wo er eine untere Grenzfrequenz von 40 Hz erreicht.

Nachdem der SPH-8TB nicht mehr verfügbar ist, hat MONACOR mit dem SPH-8M einen würdigen Ersatz geschaffen, der in vielen Belangen dem SPH-8TB überlegen ist. Trotz Alu-Druckgusskorb (der SPH-8TB hatte einen preisgünstigeren Kunststoffkorb) stieg der UVP nur von 69 auf 78 €. Damit hat er einen Platz in der angedachten "Neuauflage" der Genuine ergattert.