Fertiglautsprecher

IMG StageLine Sound-40

Pseudoaktivisten

Die Firma MONACOR bietet seit einiger Zeit in ihrer Reihe IMG StageLine, unter anderen auch zwei Aktivlautsprecher an, die für kleine Projektstudios interessant sein dürften. Es handelt sich um die Sound-40 und die Sound-65. Während die Sound-65 eine echte Aktiv-Box ist, mit jeweils getrennten Verstärkern für Hoch- und Tiefmitteltöner, kommt die kleinere Schwester Sound-40 mit einem Stereo-Amp für beide Lautsprecher aus.

Das und der unserer Meinung nach günstige Preis (UVP 139,90 €/Paar), machen die Lautsprecher interessant um als Alternative zu den in großer Zahl angebotenen Billig-Plastikeimern aus dem Discount auf einem Computer-Arbeitsplatz ihren Dienst zu tun. Wie sich die Kleinen schlagen und wie sie klingen soll unser Bericht herausfinden.

 



 

Grundsätzliches

Die Verarbeitung der Sound-40 hinterlässt durchaus einen guten Eindruck, da haben wir für mehr Geld schon Schlechteres gesehen.

Die Ausstattung des Verstärkers ist eher knapp und sehr sinnvoll gehalten. Das treibt den Preis nicht in die Höhe, lässt aber Spielraum zur Anpassung an eigene Bedürfnisse. Der Eingangspegel kann an die Quelle angepasst werden. Das Signal für den 2. Lautsprecher wird mittels eines beiliegenden Lautsprecherkabels von 3 m Länge und immerhin 1,5 mm² Querschnitt übertragen.

Der Lautsprecher ist mit einem 10 cm Chassis mit Glasfasermembrane für Tief- Mittelton und mit einer 25 mm Hochton-Kalotte mit weicher Kunststofffolie und Neodym Magnetsystem ausgestattet. Der Tief- Mitteltöner ist darüber hinaus abgeschirmt, also auch für Arbeitsplätze mit Röhrenmonitor geeignet. Auch die Verkabelung ist vernünftig und die Gehäuse sind sauber mit Absorptionsmaterial gefüllt. Das kostet zwar, hilft aber stehende Wellen zu verhindern und damit den Klang zu verbessern. Bei so manchem Billigheimer ist da wegen "Rotstiftbegrenzung" gähnende Leere - sieht ja keiner.

 

Technisches

Ein Stereo-Verstärker für zwei Aktivlautsprecher, ja wie geht das denn? Bei der Sound-40 handelt es sich praktisch um eine Passivbox, bei der ein Verstärker ins Gehäuse integriert wurde und zwar in eines der beiden Gehäuse. Sinn macht so etwas wenn man diese Lautsprecher z.B. an einem Mischpult betreiben will oder eben, wie von uns empfohlen, an einer Soundkarte des Computers.
Beide Chassis der Lautsprecher werden über ein gewöhnliches, passives Filter angesteuert, bei der aktiven Box ist dieses auf der Verstärkerplatine integriert und die passive Box hat eine kleine Frequenzweichenplatine an Board..

Die technischen Daten der Lautsprecher werden vom Hersteller wie folgt angegeben:

Frequenzbereich50-20000Hz
Verstärkerleistung 40WMAX, 20WRMS (pro Box)
Eingänge350mV/16KΩ (asym.)
Mittl. Schalldruck (1W/1m)85dB
Max. Nennschalldruck98dB
Zul. Einsatztemperatur0-40 °C
Stromversorgung230V˜/50Hz/90VA
Abmessungen (BxHxT)170x240x195mm (Aktiv)
170x240x180mm (Slave)
Gewicht4,4kg (Aktiv)
2,5kg (Slave)
Anschlüsse1xCinch (L/R), asym., IN
1x6,3-mm-Klinke (stereo), asym., IN

 

Hörsession

Also ab in unseren Hörraum mit den Dingern, auf die Ständer gestellt und nach einer Einwärmphase mal lauschen was die so von sich geben. Auf zwei handelsüblichen Ständern, stehen die kleinen Lautsprecher zu niedrig und nicht auf Ohrhöhe. Das macht sich in einer minimal belegten Wiedergabe bemerkbar, es klingt so als hielte man einen dünnen Stoff vor die Box. Angenehm überrascht sofort, dass die tonale Balance wirklich in Ordnung ist, da kommt kein Bass in den Vordergrund, kein Hochtonbereich drängt sich vor. Wie kann das bei einer so kleinen Box denn funktionieren? Eine Messung im Hörraum bestätigt dann auch.......

-> sehr ausgewogen am Hörplatz

.......das ist für die Hörplatzmessung genau das was wir immer empfehlen, eine abfallende Wiedergabe zu den hohen Frequenzen hin, ergibt im Raum eine ausgewogen klingende Box. Aber es gibt etwas, dass man an der Kurve nicht sieht. Am Hörplatz ist die Wiedergabe der Räumlichkeit nicht besonders toll. Man meint immer drei Lautsprecher zu hören. Einer links, einer rechts und einer in der Mitte. OK, das kenne ich ja schon. Die Lautsprecherbasis war bisher 2,5 m, bei einem Hörabstand von ca. 2,5 m.

Also die Lautsprecher näher zusammengerückt und hören was passiert.

Das "zerrissene" Klangbild ist weg und spielt sich nun etwas flächenmäßig hinter den Lautsprechern ab, aber immerhin zusammen. Auch das ist durch viele Hörsitzungen mittlerweile bekannt, schön wenn man seinen Hörraum kennt. Mit dem Stuhl näher ran......ach quatsch, direkt den Schritt überspringen, näher ran und auf die Knie, damit die Lauscher in Lautsprecherhöhe kommen.

Jetzt ist das Klangbild räumlich und wie aus einem Guss. Der leicht bedeckte Klang ist auch verschwunden und die Box spielt erstaunlich homogen mit einer Tendenz zur "Wärme". Einige unsere immer und immer wieder abgespielten Lieder zeigen, dass der Lautsprecher oben herum ein wenig gebremst klingt, da könnte etwas mehr "Auflösung" sein. Andererseits ist dieses Verhalten typisch für Lautsprecher die als Arbeitsgerät gedacht sind und vor denen man den ganzen Tag sitzen muss um Musik zu bearbeiten oder abzuhören, da darf eben nichts nerven. Aber insgesamt ist das auch nur ein Hauch und sollte nicht überbewertet werden. Ein Versuch noch näher an die Lautsprecher heranzugehen bestätigt das dann auch, es klingt ein wenig heller. Jetzt ist aber wieder die Räumlichkeit zerfahren, da müsste man nun die Basis..............ach ihr wisst was gemeint ist.

 

Messungen

Natürlich mussten die Lautsprecher auch durch Pico´s Folterkammer, beim Hören war nämlich aufgefallen, dass die Teile etwas nervig werden wenn man laut hört.


-> gutes seitliches Rundstrahlverhalten

Das kann sich doch sehen lassen, ein für diese Preisklasse gutes Ergebnis.


-> akzeptables vertikales Rundstrahlverhalten (Box sollte ggf. geneigt werden, rote Kurve = Hochtöner Richtung Ohr)

Beim vertikalen Rundstrahlverhalten zeigt sich dann auch warum man den Lautsprecher innerhalb eines bestimmten Winkels hören sollte und warum die "Betposition" vor dem Lautsprecher eine Verbesserung gebracht hat. Mit diesem Lautsprecher muss man sich beschäftigen und man sollte ihn sauber auf die Abhörposition ausrichten, erst dann wird er alles geben was er drauf hat.

Die Messung der Chassis im extremen Nahfeld bescheinigt der Kombi eine saubere Abstimmung bei einer Trennfrequenz bei 2 kHz. Durch die Nahfeldmessung kann man das jeweils andere Chassis weitgehend ausblenden, so dass man die Trennfrequenz bestimmen kann ohne den Lautsprecher verändern zu müssen.


-> Trennung bei 2 kHz mit sauberer Flanke (Bass > 2.6 kHz ist Übersprechen des Hochtöners, Hochtöner < 1.3 kHz ist Übersprechen des Tieftöners
 

In 50 cm Messabstand wurde auch die Funktion der Tiefen- und Höhenregler gemessen ohne das man den Lautsprecher zerlegen müsste.


-> praxisgerechter Regelbereich +/- 6 dB
 

Wurde denn da jetzt elektronisch groß korrigiert oder spielt die Kleine von Haus aus recht linear. Also wurde nur der elektrische Verlauf der Ausgangsspannung für die passive Box gemessen und siehe da – in Mittelstellung wird nicht geschummelt


-> praxisgerechter Regelbereich +/- 6 dB
-> Subsonic-Filter bei 40-50 Hz könnte Belastbarkeit erhöhen

 

Dank Programmen wie ARTA, kann jeder mittlerweile auch solche Dinge wie die Sprungantwort messen. Auch hier brachte die Sound-40 ein sauberes Ergebnis, Hut ab.


-> saubere Sprungantwort, Hochtöner verpolt, kaum Zeitversatz

Beim Ausschwingverhalten zeigen sich leichte Verzögerungen. Diese sollte man aber nicht überbewerten, zumal man nicht davon ausgehen kann, dass in einer Aktivbox für 140 Euro das Paar die perfekten Chassis verbaut werden. Irgendwo hat das Budget seine Grenzen, das dürfte jedem klar sein.


-> leicht verzögertes ausschwingen um 1 und 7 kHz


-> leicht verzögertes ausschwingen um 140, 1k und 7k Hz

Beim Klirrfaktor zeigt sich dann, warum mich der Klang leicht nervte wenn es etwas zur Sache ging. Schon bei 80 dB Wiedergabelautstärke ist der Wert für den Klirrfaktor K3 auf dem Weg in Richtung "das kann man hören". In unserem Hörraum, der sehr stark bedämpft ist, mussten die kleinen Dinger dann bei mancher Musik an die Grenzen ihres möglichen und das hört man dann eben. Am Computerarbeitsplatz in 60 cm Abstand wäre das schon recht laut gewesen, so laut würde man da nicht hören.

 


-> leicht erhöhter Klirr < 100 Hz und um 2 kHz

 

Was sonst noch?

Da die Sound-40 mit ihrer Bassreflexabstimmung nicht tiefer als 70 Hz spielt, könnte es einem einfallen einen passenden Subwoofer für die Kästchen zu suchen. Zwei Kandidaten fallen uns da auf Anhieb ein:

Hersteller/Typ Preis Abmessungen (BxHxT) Chassis / Gehäuse
IMG STAGELINE Sound-100SUB 185 € 330 x 360 x 360 mm 250mm / Bassreflex (unten)
XTZ 99W8.16 160 € 270 x 380 x 360 mm 200mm, Bassreflex (2x vorne, verschließbar)

Wenn man es dann noch hinbekommt die kleinen Aktivisten im Tiefbass zu filtern, würde das dem Klirrfaktor der Lautsprecher extrem gut bekommen. Vielleicht könnte man vor den kleinen Tieftöner einen Vorkondensator schalten?

 

Fazit

Die Sound-40 ist ein sehr gut gemachter, kleiner Aktivlautsprecher, der durch Beschränkung auf´s Wesentliche im Preis niedrig gehalten werden konnte. Zu nennen wäre da als erstes die passive Beschaltung der Chassis und der damit verbundene Entfall von zwei weiteren Endstufen und der entsprechenden Aktivweichentechnik. Man hat es also im Grunde mit einer "Quasiaktivbox" zu tun.

Dafür macht der Lautsprecher seine Sache (in dem dafür vorgesehenen Rahmen) sehr gut, ja sogar auffällig gut. In kleinen Projektstudios oder Wohnräumen mit ca. 10 bis 14 m², dürfte sich der Lautsprecher am wohlsten fühlen Wenn man ihn dann noch im Nahfeld bis 1,4 m Abstand hören kann, sollte man für ein sehr kleines Budget ein System haben das glücklich macht. Die Sound-40 ist auf jeden Fall deutlich besser als so mancher Brüllwürfel aus dem Blödmarkt und damit auch ein heißer Kandidat für den Computerarbeitsplatz. Sie ist angenehm abgestimmt und nervt auch nach mehreren Stunden hören nicht, das ist selten.

Ich habe an meinen LCD Fernseher einen geregelten Ausgang und seit dem ich die Sound-40 dort angeschlossen habe, verlangt es mich gar nicht mehr so oft meinen AV Receiver anzuschalten. Für die meisten Fälle machen die Lautsprecher das was ich brauche, sie verbessern erheblich den Klang meiner Mini-Joghurtbecher-Chassis im Fernseher. Und für Master & Commander muss eben das große Besteckt ran, aber dafür ist eine Sound-40 auch überhaupt nicht gedacht.

Wir finden den Lautsprecher sehr empfehlenswert und als nächstes wollen wir uns die Sound-65 besorgen, da sie doch eine echte Aktivbox ist und sicher noch etwas mehr zu bieten hat, wir werden hören....

Ach ja, für jemand der die Box bei uns mal probehören möchte, ätsch geht nicht. Ich hatte mir die Teile privat geleistet und hier nur zur Verfügung gestellt weil sie mir so gut gefallen haben.

:-) Theo

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