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Hochinteressanter All-In-One-DSP-Verstärker aus den USA - der ACOUSTAS AC650DSP

Acoustas AC650DSP Acoustas AC650DSP

 

Wer uns kennt weiß, dass wir schon seit langem auf Aktiv-Lautsprecher mit DSP-Weiche schwören - unser erstes so konzipiertes Referenzsystem (s. Artikel) haben wir schon auf der HiFi-Musik-World 2004 in Wetzlar vorgestellt.

Solche Systeme haben den Vorteil, dass:

  • nicht nur der Lautsprecher allein, sondern das Gesamtsystem Lautsprecher/Raum am Hörplatz entzerrt werden kann
  • die Last der Verstärkung auf mehrere Verstärker verteilt wird (idealerweise mit jeweils unabhängiger bzw. unabhängig gepufferter Stromversorgung)
  • die Verstärker der benötigen Leistung bzw. der benötigten "Schnelligkeit" angepasst werden können
  • mehrere Setups gespeichert werden können (z.B. für verschiedene Musik- bzw. Abmisch-Stile, mit/ohne Loudness etc.)

In der Vergangenheit waren solche Systeme wegen der Verstärker sehr groß, benötigten oft einen Vorverstärker für die Lautstärkeregelung und Quellenwahl und boten meist nur analoge Eingänge - das Setup musste man am Gerät umschalten.
Der aktuelle Wohntrend möchte eher kompakte Lösungen haben mit mehreren digitalen Eingängen (USB, optisch, koaxial), Streaming-Möglichkeiten über Bluetooth und Steuerung über das Smartphone bzw. Tablet.

So ein Gerätchen ist der nur 229 mm breite, 66 mm hohe und 178 mm tiefe ACOUSTAS AC650DSP. Er kann bis zu 10 Kanäle per DSP korrigieren, 6 davon werden bereits im Gerät verstärkt (54 Watt/Kanal an 4 Ohm bzw. 40 Watt/Kanal an 8 Ohm). Wer in einem Zweig mehr Leistung braucht schließt über die anderen Ausgänge einfach stärkere Endstufen oder aktive Subwoofer an.

In unserem Testbericht beleuchten wir im 1. Teil insbesondere die Features des AC650DSP (und der zugehörigen Software AirDSP). Im 2. Teil zeigen wir dann, wie einfach man damit z.B. ein 3-Wege-System aktivieren und dabei eine perfekte Sprungantwort erhalten kann.

Hier geht es zur englischen Version

Um die Genialität der Kombination aus AC650DSP und AirDSP zu verstehen muss man sich mal angucken, was sich auf dem Sektor "Aktivierung von Lautsprechern für den DIYler" in den letzten gut 20 Jahren getan hat.

Bei unserem ersten Referenzsystem 3-Wege, linkes Bild) war die Elektronik 2004 noch sehr voluminös (3 Stereo-Endstufen (jeweils 2HE) und ein Lautsprecher-Management-System (1HE)) und schwer (ca. 50 kg). Bei unserem zweiten Referenzsystem (4 Wege, rechtes Bild) waren es 2007 sogar 4 Stereo-Endstufen und 2 Lautsprecher-Management-Systeme mit einem Gesamtgewicht von bis zu 80 kg:

Class-D-Endstufen waren zu der Zeit noch nicht wirklich gut und Lautsprecher-Management-Systeme mit 2 Eingängen und 8 Ausgängen (kurz: 2in/8out) waren kaum verfügbar und sehr teuer.

Seitdem hat sich viel getan, vor allem bei der Elektronik:

  • die erste große "Erleichterung" kam mit der Verfügbarkeit von Class-D-Endstufen und Lautsprecher-Management-Systemen mit 4in/8out in 1HE. Hier mal ein Bild von Piwo's Party-PA vom 1. Abonnententreffen (s. Bericht). Die Elektronik (2x MONACOR STA-2000D und 1x MONACOR DSM-480LAN (Gesamtgewicht 16 kg, halbes Volumen)) ist rot umrandet:

  • Bei preiswerteren/kleineren Systemen mit weniger Leistungsbedarf haben wir ab ca. 2010 oft (ausrangierte) AVR-Receiver mit externen Eingängen empfohlen - entweder mit einem Lautsprecher-Management-System oder sogar einem Mehrkanal-Audio-Interface + PC + Software als Musikquelle (eine solche Lösung steht im obigen Bild auf der rot umrandeten Elektronik). Hier ist die Lautstärkeregelung per Fernbedienung HINTER dem DSP - so wie es sich gehört (bei den vorherigen Systemen war dies immer VOR dem DSP, s. Artikel)

     

  • 2009 entdeckten wir auf der ProLight & Sound einen kleinen (200 mm hoch, 115 mm breit, 60 mm tief) DSP-Plateamp von HYPEX, den AS2.100 (s. Artikel) - einen der ersten für DIYler zugänglichen DSP-Plateamp mit mehr als 2 Kanälen. Damit konnte man entweder einen 3-Wege-Lautsprecher (Mono) oder ein 2.1-System filtern und entzerren. 2 Verstärker à  100 Watt an 4 Ohm waren an Bord - für den 3. Kanal benötigte man dann jedoch noch eine externe Endstufe (oder einen aktiven Subwoofer). Eine Fernbedienung gab es auch schon . . .

     

  • etwa 2013 kam die Firma Sitronik Industrie mit dem Lucius auf den Markt, einem integrierten DSP-Verstärker mit bis zu 6 integrierten, skalierbaren Verstärkern (z.B. von ICEpower). Dieser wurde auch unter dem Markenname Audaphon vom Lautsprechershop vertrieben (s. z.B. Test in der Klang & Ton 6/2013, S. 12ff) oder von uns (s. MindAudio Schaltzentrale A3). Der Lucius ließ sich wie ein "normaler" Verstärker bedienen (Quellenwahl (linker Drehknopf), Lautstärke (rechter Drehknopf)), zusätzlich waren 3 Setups wählbar, das Ganze auch per Fernbedienung - bequemer und kompakter ging es bis dato nicht - und das mit bis zu 3 kW Gesamt-Verstärkerleistung!

    MindAudio A3

  • 2017 kam dann HYPEX mit seiner FusionAmp-Familie auf den Markt, einer Kombination aus hochwertiger DSP-Technik (ADAU 1452) und State-of-the-Art NCORE® Class-D-Verstärkern. Endlich gab es für den DIYler zugängliche und hochwertige DSP-Plateamps mit 3 Verstärkern an Bord, von 125 bis 500 Watt/Kanal an 4 Ohm.


    Quelle: https://www.hypex.nl/

  • Im PA-Bereich gibt es zunehmend preiswerte, mehrkanalige DSP-Verstärker, z.B.:
    - the t.racks DSP 4x4 Mini Amp (s. Artikel) für nur 195 €‚¬
    - the t.racks DSP 4x4 Amp 4.250 für 429 €‚¬
    - the t.amp Quadro 500 DSP für 579 €‚¬
    - OMNITRONIC MTC-3204DSP für 799 €‚¬.
    Aber bei 4 Kanälen ist üblicherweise Schluss und eine Fernbedienung gibt es im PA-Bereich sowieso nicht . . .

     

  • 2025 erschien die nur 340 mm breite, 100 mm hohe und 300 mm tiefe FIR-BoxX von Andreas Heggendorn. Hier wurde ein Raspberry Pi (der wendet die zu erstellenden FIR-Filter mit bis zu 65536 Taps/Kanal in Echtzeit an) mit einer 8-kanaligen "Soundkarte" und 8 DAC-Amps (je 30 Watt an 4 Ohm bzw. 25 Watt an 8 Ohm) in einem schönen Gehäuse kombiniert. (Fast) fertig zusammengebaut kostet es 2299 €‚¬, wer es selbst zusammenbauen will spart 600 €‚¬. Es gibt 2 analoge (Cinch) und 2 digitale Eingänge (TOSLINK), die verstärkten Ausgänge werden über 4 SPEAKON-Buchsen nach außen geführt.


    Quelle: https://fir-boxx.com/bauanleitung.php

    Wie man bei der Erstellung der FIR-Filter für die FIR-BoxX am besten vorgeht wird in diesem 337 Seiten langen und 61.5 MB großen PDF (s. Link) Schritt für Schritt beschrieben.
    Und hier gibt es zwei kompakte Beschreibungen der Unterschiede sowie Vor- und Nachteilen von IIR und FIR-Filtern (s. Link 1, Link 2).

     

 

ACOUSTAS AC650DSP

Und ganz aktuell haben wir den ACOUSTAS AC650DSP im Test - und das nur, weil einer unserer Abonnenten uns gefragt hat, ob wir denn die Software AirDSP schon kennen. Die Software kannten wir noch nicht, fanden sie aber sehr interessant. "Dummerweise" funktioniert sie aber nur in Zusammenhang mit dem AC650DSP. Also haben wir ACOUSTAS angeschrieben - und die haben uns tatsächlich ein Gerät zum Testen geliehen. Unseren großen Dank hierfür!

Acoustas AC650DSP Acoustas AC650DSP

 

Hardware:

Der AC650DSP ist sehr kompakt (nur 229 mm breit, 66 mm hoch und 178 mm tief), wiegt nur 1.6 kg (+ 850 Gramm des externen Netzteils (25.2 VDC, 10A)) und hat ausschließlich digitale Eingänge (Bluetooth, USB, Optical, Coaxial). Er hat 6 Endstufen à  54 Watt an 4 Ohm bzw. 40 Watt an 8 Ohm an Bord und kann über 2 Cinch-Ausgänge und einen optischen Ausgang noch externe Verstärker anschließen (z.B. für externe, aktive Subwoofer oder wenn die eingebauten Endstufen in einem Zweig zu schwach sein sollten). Auf alle 10 Kanäle können IIR-Filter angewendet werden (Hoch- und Tiefpass bis 48 dB/Oktave + 15 EQs). Zusätzlich können im FIR-Profil (48 kHz Abtastfrequenz) pro Kanal 1500 Taps angewendet werden - außer auf dem optischen Ausgang. Wenn man auf die FIR-Filter verzichten kann/will gibt es auch das Rich-Profil (96 kHz Abtastrate) und das Pure-Profil (192 kHz Abtastrate). Letzteres wird den High-Ender freuen, denn die meisten DSPs laufen nur mit einer internen Abtastfrequenz von 48 kHz und dann fragt man sich zu Recht, warum man in teure High-Res-Downloads investiert . . .

Auf der Rückseite gibt es Anschlüsse für eine WIFI-Antenne, eine Bluetooth-Antenne, das externe Netzteil und die Eingangs- und Ausgangskanäle. Die Lautsprecher werden per mitgelieferten Phoenix-Klemmen angeschlossen (Aderendhülsen werden mitgeliefert) - da wird der snobistische High-Ender seine nextgen™-WBT-Klemmen vermissen . . . Tatsächlich sind die Phoenix-Klemmen aber deutlich besser als ihr Ruf:
- Nennstrom 12 A bei Nennspannung 320 V (das wären 3840 Watt)
- übergangswiderstand 1.3 mOhm (0.0013 Ohm)
- Nennquerschnitt bis 2.5 mm€² Einmal konfektioniert kann man auch die Kanäle nicht mehr vertauschen (außer links und rechts) ;-)

Hier mal eine Innenansicht des sehr aufgeräumten AC650DSP:

Acoustas AC650DSP

Ein Bild von "unten," da ist dank 6-lagiger Platine kaum etwas zu sehen ;-)

Acoustas AC650DSP

Die "Hauptzutaten" des AC650DSP sind:

 

USB-Empfänger CMEDIA CM6212
Bluetooth-Modul FEASYCOM FSC-BT1026D
WLAN-Modul ESPRESSIF ESP32-S3-MINI-1U
DSP-Modul ANALOG DEVICES ADAU1467
Endstufen-Modul (3x) TEXAS INSTRUMENTS TAS5828M (Stereo-Class-D)
DAC für RCA-Ausgang TEXAS INSTRUMENTS PCM5102A

Hier mal ein Blockdiagramm des AC650DSP:

 

  • zunächst wird die Gesamt-Lautstärke geregelt
  • dann kommen die "äußeren" (Front, +/- 9 dB) und "inneren" (App, +/- 12 dB) Klangregler
  • bis hierhin werden beide Kanäle gleichbehandelt. Danach erfolgt eine Verteilung der 2 Kanäle auf 10 Kanäle
  • jeder Kanal kann invertiert, verzögert und abgeschwächt werden, außerdem gefiltert (IIR und FIR) und entzerrt

Wenn man sich das obige Blockschaltbild anschaut, dann kann das digitale Eingangssignal:
- über die Klangregler auf der Front um bis zu 9 dB angehoben werden,
- über die Klangregler in der App ggf. zusätzlich um bis zu 12 dB angehoben werden,
- über den 15-Band-EQ in der App ggf. zusätzlich um bis zu 12 dB angehoben werden

Nun, voll aufgedrehte Klangregler bei voller Lautstärke sind auch bei "normalen" Verstärkern keine gute Idee - die sind auch nicht so ausgelegt, dass das ohne Verzerrungen klappt. Und wie läuft das beim AC650DSP?

 

  • wenn man über den USB-Eingang ein voll ausgesteuertes 1 kHz-Sinussignal (= 0 dB) auf den AC650DSP gibt, dort die Lautstärke auf 0 dB und alle Klangregler, Filter und EQs auf linear stellt, dann kommt an den Cinch-Buchsen eine Spannung von ca. 2 Vrms an. Das entspricht etwa dem maximalen Ausgangssignal des D/A-Wandlers TEXAS INSTRUMENTS PCM5102A. Erhöht man nun mit dem Mid-Regler an der Front den Pegel um 1.8 dB steigt der Klirrfaktor auf ca. 8% -> es kommt zu einer Übersteuerung.
  • wenn man über den USB-Eingang einen voll ausgesteuerten Sinussweep (= 0 dB) auf den AC650DSP gibt, alle Klangregler und Filter linear stellt und nur einen EQ z.B. bei 100 Hz um 10 dB anhebt (Güte = 5), dann klingt ab einer Lautstärke von -10 dB das Signal kurzzeitig verzerrt.
  • Bei Wiedergabe von Musik kann die Lautstärke unter der zuletzt geschilderten Bedingung deutlich höher als -10 dB eingestellt werden, ohne dass Verzerrungen hörbar sind, da breitbandige Musik nur mit einem Teil der Gesamtenergie den erhöhten Bereich kurzzeitig anregt und der PEQ dann nicht voll einschwingt.

Insgesamt erscheint uns die Gain-Struktur des AC650DSP praxisgerecht ausgelegt zu sein. Mit unserem 3-Wege-Test-Lautsprecher (s.u.) lässt sich eine hohe Gesamtlautstärke erzielen, da macht auch Yello Spaß . . .

Anmerkung: Unser Verstärker wurde mit der Firmware-Version v1.8.0 getestet.

 

AirDSP - die Software zum Steuern des AC650DSP:

Damit die vielfältigen Möglichkeiten der Hardware einfach und bedienerfreundlich genutzt werden können gibt es die Software AirDSP - denn was nutzt die beste Hardware, wenn man ihre Möglichkeiten nicht bequem nutzen kann? Die Software ist unter IOS (iPhone & iPad), ANDROID (Phone & Tablet), MACOS (Apple Silicon & Intel) und WINDOWS (Windows 10 oder 11) verfügbar - nur die LINUX-Fans gehen leer aus. Leider funktioniert die Software aktuell nur bei angeschlossener Hardware - aber da wollen die Acoustas-Leute in absehbarer Zeit auch noch einen Demo-Modus zulassen.

Anmerkung: Wir haben unseren Test mit der Software-Version v1.2.13+37 begonnen. Kurze Zeit später erschien die Version v1.2.14+40, in die schon einige unserer Anmerkungen eingeflossen sind. Im Laufe des Tests ergaben sich weitere Anmerkungen, die erst in Version v1.2.15 einfließen werden.

Tatsächlich lässt sich die Software über das Smartphone sehr gut bedienen, da die Funktionen in 3 Bereiche gegliedert sind (Groups, Control, Tune (oben/unten)). Bis zu 8 Presets (mit hinterlegtem Icon) können per "Tasten"-Druck gewählt werden.

Wenn man lange auf eine Preset-Schaltfläche drückt kann man das Label, die Beschreibung und das Icon ändern, über "Save New" abspeichern oder über "Export" in eine Textdatei (Dateiendung ACP) exportieren (linkes Bild). Wenn man die gesamten Verstärkereinstellungen und Presets in eine Textdatei speichern will (Dateiendung ACS) dann geht das im "..."-Menu rechts oben unter "Export Amp State..." (rechtes Bild).

 

Klangregler am AC650DSP (Front):

Neben den obligatorischen Reglern für die Quellenwahl (links) und der Lautstärke (rechts) gibt es auf der Gerätefront noch 3 "Klangregler": hier kann der Bereich unter 200 Hz (Bass), um 1 kHz (Mid) und über 3 kHz (High) um bis zu +/- 9 dB verändert werden - um z.B. dumpfe oder bassschwache Aufnahmen auf die Schnelle "aufzupeppen" oder bei leisen Lautstärken den Effekt der Loudness-Taste nachzubilden (s. Gehörrichtige Lautstärke) - z.B. durch Anhebung im Bass- und ggf. Höhenbereich und Absenkung in den Mitten.

Alle Stellungen der 3 Regler sind gerastet, außerdem ist die Mittelstellung gekennzeichnet. Jede Raste verändert den Pegel um 1.8 dB, Zwischenstellungen sind nicht möglich. Die Drehregler für Bass und Höhen (engl.: Trebble) sind sog. Kuhschwanz-Filter (engl.: Shelving-Filter) mit MidPoint-Gain-Frequenzen (bei dieser Frequenz wird die halbe Erhöhung bzw. Absenkung in dB erreicht) von 200 Hz bzw. 3 kHz und einer Güte von 0.58. Der Drehregler für die Mitten (engl.: Mid) ist ein parametrischer Equalizer (kurz: PEQ) mit einer Mittenfrequenz von 1 kHz und einer Güte von 0.2 - alles in allem also eine "sanfte" Klangkorrektur.

 

Klangregler in AirDSP:

Neben diesen "Hardware"-Klangreglern auf der Gerätefront gibt es noch 5 "Software"-Klangregler im "Control"-Bereich der Software AirDSP. Die Bereiche "Bass" und "High" sind wieder als Kuhschwanzfilter ausgeführt mit MidPoint-Gain-Frequenzen von 200 Hz bzw. 9.0 kHz und einer Güte von 0.4. Die 3 mittleren Bereiche sind als PEQs mit Mittenfrequenzen von 430 Hz, 3.0 und 6.0 kHz und einer Güte von 0.2 ausgeführt.

Die Hard- und Software-Klangregler haben also eine andere Charakteristik (Güte) und ggf. andere Mittenfrequenzen. Die 5 Software-Klangregler werden - zusammen mit den anderen Einstellungen - im Setup abgespeichert, die Hardware-Klangregler werden dabei nicht berücksichtigt (da sie für "spontane" Klangveränderungen gedacht sind).

 

Kanal-Verteilungs-Matrix:

Bisher haben alle Einstellungen (Volume, Tone (Front), Tone (App)) auf beide Eingangskanäle gleichermaßen gewirkt. Jetzt kommt der Punkt, an dem sich die Bearbeitung jedes einzelnen Kanals unterscheidet. Dazu muss man für jeden der 10 Kanäle festlegen:
- welcher Eingangskanal genommen wird (L = links. R = rechts oder C = Mittelwert aus beiden)
- ob dieser Kanal gemutet werden soll
- ob dieser Kanal "verpolt", also 180° in der Phase gedreht werden soll (= invert)
- ob dieser Kanal abgeschwächt werden soll -> Gain = - X dB (Einstellbereich = bis -60 dB in 0.25 dB-Schritten)
- ob dieser Kanal verzögert werden soll -> Delay (hier können mehrere Einheiten (ms, in, ft, mm oder m) gewählt werden)

Beim Delay gibt es je nach gewählter Einheit andere Einstellbereiche und Auflösungen:

 

Einheit Bereich Auflösung
ms 0 - 50 ms 0.1 ms
in 0 - 12 in 1/8 in
ft 0 - 56 ft (4 Stufen) 1/8 in
mm 0 - 305 mm 1 mm
m 0 - 17.15 m (4 Stufen) 0.01 m

Hardwaremäßig sind allerdings nur Verzögerungen von ganzen Abtastwerten möglich - das wären je nach Abtastfrequenz also:

 

Abtastfrequenz 1 Sample = ? ms | ? in | ? mm
48 kHz 0.021 ms | 0.281 in | 7.15 mm
96 kHz 0.010 ms | 0.141 in | 3.57 mm
192 kHz 0.005 ms | 0.070 in | 1.79 mm

AirDSP nimmt dann offenbar die nächstmögliche Anzahl von ganzzahligen Samples . . . In v1.2.15 werden die auf ganzzahlige Samples gerundeten Eingabewerte (z.B. 10 mm) dann auch korrekt angezeigt (z.B. als 7 mm).

 

Filter:

Als IIR-Filter sind Butterworth und Bessel (jeweils 6, 12, 18, 24, 30, 36, 42 und 48 dB/Oktave) und Linkwitz-Riley (12, 24, 36 und 48 dB/Oktave) als Low- und High-Pass verfügbar. Butterworth- und Bessel-Filter sind so normiert, dass bei der angegebenen Trennfrequenz der Pegel um 3 dB abgefallen ist - bei den Linkwitz-Riley-Filtern sind es 6 dB. Dieses Verhalten findet man so bei vielen DSP-Systemen, auch der Generic EQ in REW verhält sich in diesem Punkt so. Bei früheren Versionen war das bei den Bessel-Filtern noch nicht so - wie man im sehr ausführlichen externen Messbericht der Willow Electronics Labs auf Seite 75ff nachlesen kann.

Als FIR-Filter sind Linkwitz-Riley (12, 24, 36 und 48 dB/Oktave), Invisible (12, 24, 36 und 48 dB/Oktave, ähnlich Butterworth), NTX-Pro (36 und 48 dB/Oktave) und Linearizer verfügbar, wobei letzterer nur die Phasendrehungen von IIR-Filter kompensiert. Das sagt zumindest die eingebaute Hilfe von AirDSP (wann man auf das (i)-Symbol neben dem jeweiligen Filter klickt):

Alternativ lassen sich "externe" (z.B. mit rePhase erstellte) FIR-Koeffizienten über das Icon "Import-FIR" laden. Die Daten werden als Textdatei erwartet mit einem Koeffizienten pro Zeile und 1500 Zeilen. Das Dezimaltrennzeichen muss "." sein.

 

Equalizer:

Zusätzlich steht pro Kanal ein 15-Band-Equalizer zur Verfügung. Auf dem Smartphone sieht man nur jeweils 5 Bänder und muss ggf. zur Seite wischen, auf dem PC/Laptop und dem Table sieht es dann so aus:

Jedes Band kann als Low Shelf, Peaking, High Shelf, Allpass 1st oder Allpass 2nd definiert werden. Ab Version v1.2.14+40 sind noch dazugekommen (rechtes Bild):

 

Low Pass 1st Tiefpass 6 dB/Oktave
High Pass 1st Hochpass 6 dB/Oktave
Low Pass Q Tiefpass 12 dB/Oktave mit variabler Güte
High Pass Q Hochpass 12 dB/Oktave mit variabler Güte

Die Einstellbereiche sind:
- Frequenzen von 10 bis 20000 Hz in 1 Hz-Schritten
- Pegel (Gain) von -12 bis +12 dB in 0.25 dB-Schritten
- Q von 0.1 bis 10 in 0.01-Schritten (in Version v1.2.15 kann man bei den Shelving-Filtern nur noch Güten bis 1.0 einstellen)

über die 4 Icons oben rechts kann man die EQs nach aufsteigender Frequenz sortieren, importieren (dazu später mehr), exportieren oder alle zurücksetzen.

Wenn man auf das Zahnrad-Symbol am oberen Ende jedes Bandes klickt öffnet sich ein Dialog, der ggf. etwas weniger fummelig zu bedienen ist (für Leute mit dicken Fingern auf dem Smartphone ;-)):

 

Veränderung der Abtastrate:

Viele DSP-Systeme arbeiten intern mit einer Abtastfrequenz von 48 kHz, weil das die Prozessorlast geringhält: doppelte Abtastfrequenz = doppelte Prozessorlast. Manche DSP-Systeme arbeiten intern mit 96 kHz (z.B. miniDSP), die HYPEX-FusionAmps arbeiten intern mit 93.75 kHz.

Der ACOUSTAS AC650DSP arbeitet "standardmäßig" intern mit 48 kHz und erlaubt dann die Nutzung von FIR-Filtern mit 1500 Taps/Kanal auf 8 Kanälen -> "FIR-Profil". Optional kann man auch intern mit 96 kHz ("Rich-Profil") oder sogar 192 kHz ("Pure-Profil") arbeiten - dann aber ohne FIR-Filter, denn diese müssten - bei gleicher Frequenzauflösung - doppelt (Rich) bzw. viermal (Pure) so viele Taps haben, und dann wäre der DSP mit seinen 10 Kanälen überfordert. Beim "Pure-Profil" ist darüberhinaus die Zuweisung zwischen Input- und Output-Kanälen vorgegeben.

Wo man die Abtastrate umschalten kann hatte ich nicht selbstständig gefunden - da musste ich erst bei ACOUSTAS nachfragen. Denn ein Manual gibt es weder für den AC650DSP noch für AirDSP. In AirDSP gibt es nur eine "eingebaute" Hilfe und "Tooltips". Ich hatte zwar im "..."-Menu nachgeschaut, aber der Menüpunkt "Reprogram Amp..." hörte sich "gefährlich" an, dass konnte doch nicht die Umschaltung der Abtastfrequenz sein? Doch, konnte sie! Und die Bezeichnung ist auch zutreffend, denn beim Wechsel der Abtastrate verliert der AC650DSP komplett sein Gedächtnis!!!

Es macht also Sinn zunächst den Ist-Zustand des kompletten Verstärkers abzuspeichern "Export Amp State..." und ihn ggf. nach Änderung der Abtastrate erneut zu laden ("Import Amp State...") - wobei dann ggf. die FIR-Koeffizienten verloren gehen. Außerdem empfiehlt es sich die Lautsprecher "auszustöpseln", da bei der Neu-Programmierung Plop-Geräusche auftreten können. Der gesamte Vorgang dauert demnach eine Weile, so dass ein schneller Vergleich zwischen 2 Profilen so nicht möglich ist.

 

Verbindung zum AC650DSP:

Soweit erst mal zu den Features der Kombination aus AC650DSP und AirDSP. Aber wie verbindet man sich denn überhaupt mit dem AC650DSP? Dazu liegen dem Gerät nur ganz rudimentäre Informationen bei (s. AC650 Getting Started Guide V2). Offensichtlich muss man zunächst die Software AirDSP installieren. Dazu gibt es auf der (s. AirDSP-Homepage entsprechende Links. Beim ersten Start der Software sollte es dann so aussehen:

Klar, der Verstärker muss eingeschaltet sein. Aber wie kriege ich ihn dazu diesem WiFi-Netzwerk beizutreten? Ein Rescan hilft auch nicht weiter. Bei "Check permissions" passiert (zumindest bei uns) auch nix. Und aus "Show network diagnostics" werde ich auch nicht schlau . . . Na gut, dann füge ich eben ein Gerät hinzu ("Add Device"):

OK, ich klicke auf "Set Up New Device" . . .

Mist, mein Laptop hat kein Bluetooth (beim Handy funktionierte es) . . .

Alles klar: den WiFi-Reset-Knopf auf der Rückseite des AC650DSP 5 Sekunden lang drücken, Netzwerk mit "Acoustas_*" in den WiFi-Einstellungen gefunden und auf "Continue" klicken . . .

Jetzt das "eigene" WiFi-Netzwerk wählen und den Netzwerkschlüssel eingeben (das ist meist die Zahlenkombination auf der Unterseite des Routers). So hat es dann manuell geklappt. Unser Musik-PC hat kein WLAN, daher muss man den Router "überreden". Dazu gibt es ein paar Tipps am Ende von "Show network diagnostics".

Interessant ist, dass man nicht nur mit einem Gerät auf den AC650DSP zugreifen kann: wenn man z.B. mit dem Laptop entwickelt kann man parallel mit dem Smartphone (wenn es sich im gleichen WiFi-Netzwerk befindet) z.B. die Lautstärke ändern oder einzelne Chassis/Kanäle muten etc. Dabei verändert sich nicht nur z.B. die Lautstärke am AC650DSP sondern auch der entsprechende Slider in der AirDSP-Software auf dem Laptop.

Einen Pferdefuß gibt es aber: wenn man das Setup wechseln will geht das NUR auf dem Gerät welches das zu ladende Setup auch hat! Das bedeutet, die Setups zwischen verschiedenen Geräten sind NICHT automatisch synchronisiert. Hier will ACOUSTAS aber noch nachbessern. Momentan hilft nur z.B. ein von allen beteiligten Geräten zugänglicher ONLINE-Speicher (z.B. NAS, OneDrive etc.).

 

Ausblick:

Im 2. Teil unseres Tests werden wir den ACOUSTAS AC650DSP dazu benutzen einen 3-Wege-Lutsprecher zu aktivieren. Die prinzipielle Vorgehensweise haben wir schon in unserem Artikel Das RTA Modul von REW beschrieben. Wir werden dabei speziell auf den Aspekt "Übertragbarkeit von DSP-Einstellungen" eingehen. Außerdem werden wir den "richtigen" Einsatz des FIR-Feature "Linearizer" beschreiben und unsere Höreindrücke schildern - auch im Vergleich zu einer Korrektur mit Dirac Live Room Correction . . .

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