Es war einmal vor langer Zeit (1999, also immerhin fast 20 Jahre her), da habe ich mir ein kleines Tool geschrieben (damals noch in TurboPascal V3.0) mit allerlei Helferlein zum Entwickeln von Lautsprechern. Es konnte:

Gehäuseberechnungen Eingabeparameter Ausgabe
Volumen Gehäuselänge, -breite, -höhe Gehäusevolumen
BR-Rohr/Länge Tuningfrequenz, Gehäusevolumen, Durchmesser bzw. Fläche, Anzahl der Rohre Rohrlänge in Abhängigkeit der Rohrausführung, 1. + 2. Stehwelle im Rohr
BR-Rohr/Frequenz Gehäusevolumen, Rohrlänge, Durchmesser bzw. Fläche, Anzahl der Rohre Tuningfrequenz in Abhängigkeit der Rohrausführung
Weichenberechnungen Eingabeparameter Ausgabe
Equalizer/Impedanzanstieg DC-Widerstand, Impedanz bei 15 kHz RC-Glied
Equalizer/Resonanzfrequenz   DC-Widerstand, Resonanzfrequenz, mechanische und elektrische Güte RLC-Glied
Equalizer/Saugkreis DC-Widerstand, Saugfrequenz, Absenkung und Güte RLC-Glied + Tabelle(Frequenzgang)
Pegelabsenkung Impedanz, Absenkung, Soll-Impedanz; Anpassung auf erhältliche Widerstandswerte   Spannungsteiler und Ist-Absenkung mit erhältlichen Widerständen
Frequenzweichenbauteile DC-Widerstand, Trennfrequenz, Hoch- oder Tiefpass, Ordnung (1-4) Schaltbild und Bauteilewerte für verschiedene Filtercharakteristiken
Spulenberechnungen Eingabeparameter Ausgabe
Liste Induktivität Liste mit Widerstand als Funktion des Drahtdurchmessers (0.5 bis 4.0mm)
Drahtdurchmesser Induktivität, Spulenwiderstand, Wickelhöhe, Wickeldurchmesser innen/außen Drahtdurchmesser (2 Schätzwerte)
Auf-/Abwickeln Ist- und Sollinduktivität, Drahtdurchmesser Kupfermasse, ab-/aufzuwickelnde Drahtlänge gleichen Durchmessers

Viele dieser Tools nutze ich heute kaum noch, entweder weil es mittlerweile bessere Tools gibt (z.B. Boxsim für Frequenzweichen-Berechnungen) oder weil Teilaspekte bereits in unseren anderen ONLINE-Tools gelandet sind (z.B. Bassreflex-Gehäuse oder Frequenzweichen-Rechner).

Aber es gibt ein Teil-Tool, das es nirgendwo anders gibt und dass mitunter SEHR hilfreich ist - der Teil mit den Spulenberechnungen. Und dort insbesondere der Teil, mit dem man außerordentlich zuverlässig berechnen konnte wie viel Draht man abwickeln musste um z.B. von einer 0.1 mH-Spule auf eine 0.056 mH-Spule zu kommen. Natürlich kann man auch abwickeln, Schutzlack abkratzen, nachmessen, abwickeln, Schutzlack abkratzen, nachmessen, abwickeln, Schutzlack abkratzen, nachmessen, wieder aufwickeln, Schutzlack abkratzen, nachmessen usw. Aber wenn man kein LCR-Messgerät zur Hand hat (z.B. so etwas hier) oder schneller zum Ziel kommen will ist dieses kleine Tool einfach unschlagbar.

Dummerweise ist es eine 16-bit-Anwendung und läuft auf modernen Betriebssystemen nicht mehr ohne Weiteres. Unter Windows 7 / 32 bit klappte es noch, aber Windows 10 gibt es fast nur noch als 64 bit Anwendung, und da hat man den Support für 16-bit-Anwendungen schnell mal wegrationalisiert. Mit Tools wie DOSBox kann man ein Win10-System zwar noch überreden alte DOS-Programme laufen zu lassen, aber das hat man ja auch nicht immer bei der Hand.

Also habe ich mir mal die Mühe gemacht das als ONLINE-Tool mit JavaScript zu realisieren:

  • Die "Listenfunktion" kann dabei helfen für eine bestimmte Induktivität und einen gewünschten Gleichstromwiderstand den mindestens benötigten Drahtdurchmesser zu bestimmen

  • Die "Schätzfunktion" kann - bei bekannter Induktivität - aus einem ungefähren Gleichstromwiderstand bzw. den Netto-Spulenabmessungen den verwendeten Drahtdurchmesser und so den genauen Gleichstromwiderstand abschätzen

  • Die "Wickelfunktion" hilft beim Ab- bzw. Aufwickeln von Spulen (diese Funktion ist nur für unsere Abonnenten verfügbar)

Ihr findet das Tool unter ONLINE-Rechner / Frequenzweichen - viel Spaß damit !!!

:-) Pico

Kommentare

1
kalexm
4 jahre vor
Moin Pico,

ich programmiere ja zum Broterwerb und die Meisten dürften täglich mit Software von mir in Berührung kommen, z.B. beim Einkaufen, Telefonieren oder Tanken.

Zwischen 1999 und 2010 habe ich praktisch nur Java programmiert und die meisten Java Programmierer haben Javascript gehasst. Wie ich 2010 verstanden habe: zu Unrecht!
(kleine Einschränkung: nicht im Browser sondern mit nodejs, Promises und async/await)
Ja js ist schwach typisiert und glitschig. Aber in js lässt sich nicht nur herrlich funktional programmieren (Haskell und Lisp nicken freundlich) es war nach Erlang die erste asynchrone Ringbuffer Sprache (c# runzelt die Braue). Heute machen es alle mit Coroutines, siehe Python, Go, Java, Rust. Ich benutze js, um Studenten das programmieren beizubringen und die Theorie in ein ganzheitliches und relevantes Modell zu bringen.

Es lohnt sich übrigens mal einen Blick auf Webassembly zu werfen. Damit lässt sich nativer Code im Browser ausführen. Der Browser wird quasi zur virtuellen Maschine. Damit lassen sich z.B. Spiele programmieren, die gemeinsam mit WebGL ganz andere Möglichkeiten anbieten und pötzlich wird ein Flugsimulator im Browser möglich. Das Konzept geht aber darüber hinaus, vor allem lässt sich alter c oder c++ code für den Browser kompilieren, habe ich ein existierendes Kommandozeilenprogramm in c/c++ (und andere Sprachen werden folgen) kann ich es für den Browser als webassembly kompilieren: https://opensource.com/article/19/4/command-line-playgrounds-webassembly

Insgesamt wird damit der Browser zu einer sehr universellen virtuellen Maschine für Frontend-Entwicklung.

Es geht aber noch darüber hinaus. Mit Wasi soll es eine Browser-unabhängige Laufzeitumgebung für Webassemblies geben und das könnte ein Docker Konkurrent werden. Spannende Zeiten!
plasma
4 jahre vor
ja toll, ich sag mal auch Danke! Aber dafür, das du uns dies 19 Jahre vorenthalten hast, mach ich mal diesen hier

(https://www.smilies.4-user.de)
Theo
4 jahre vor
Na ja, wir haben es ja nicht vorenthalten, die DOS-Version ist schon immer in den Downloads zu finden.

https://www.hifi-selbstbau.de/downloads/download/24-software/169-boxutil
jhohm
4 jahre vor
Coole Sache, danke schön!

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