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Kartesian Cmp25_vHP 1-Zoll Horn-Hochtöner von KARTESIAN

Schon lange liebäugeln wir mit Chassis von der 2011 gegründeten, französischen Firma KARTESIAN, die sich selbst als Speaker Innovator bezeichnet. Bis 2020 wurde nur der OEM-Markt beliefert, seitdem wurden auch eigene Produkte für den Selbstbauer angeboten, die in Europa nur über TLHP erhältlich sind.

Auch für den Nachfolger der LittleWatt MkII hatten wir ein KARTESIAN-Chassis im Visier, den WOM300_vDIY. Aber leider stellt KARTESIAN keine Testchassis zur Verfügung, sondern gewährt nur einen Rabatt von 10% auf die Preise von TLHP - und bei einem Stückpreis von 300 € sind das immer noch 540 € nur zum Ausprobieren . . .

Aber jetzt flog uns von unserem Abonnenten daVinci ein kleiner Horn-Hochtöner Cmp25_vHP von KARTESIAN zu - und da haben wir natürlich sofort zugegriffen. Und von unserem Abonnenten DesLumos fliegt uns demnächst noch ein Pärchen Lom185_vKi zu - stay tuned!

Der Cmp25_vHP hat eine geringe Kompressionsrate, d.h. der effektive Membrandurchmesser ist nur wenig größer als die Hornöffnung, wobei der Phaseplug nur einen Teil der Membrane abdeckt, die demnach in großen Teilen den direkten Weg ins Horn findet. Der Außendurchmesser beträgt 103 mm, das Horn erweitert sich bis auf einen Durchesser von ca. 83 mm und ist etwa 45 mm tief. KARTESIAN empfiehlt den Einsatz ab 3 kHz

Ob dieses Chassis eher ein lauter Kalottenhochtöner mit großem Waveguide oder ein kleiner Kompressionstreiber ist klärt unser ausführliches Datenblatt . . .

 Chassis-Datenblatt © www.hifi-selbstbau.de
So werden Lautsprecherchassis von HiFi-Selbstbau gemessen

 
 
Hersteller / Vertrieb: KARTESIAN / TLHP Typ: Cmp25_vHP, 8 Ohm Datenblatt des Herstellers

Foto des Chassis


Der äußere Eindruck:

Wenn man den KARTESIAN Cmp25_vHP so in der Hand hält ist er mit seinen 160 Gramm nicht gerade ein Schwergewicht. Das antrazith-metallicfarbene Horn sieht schick aus und ist aus Polyamid 12 gefertigt (Dichte 1.02 gr/cm³). Der Permanentmagnet aus NdFeB hat zwar eine Dichte von ca. 7.5 gr/cm³ - aber wegen der hohen Magnetkraft werden auch nur wenige cm³ benötigt.
Der Cmp25_vHP hat einen Außendurchmesser von 103 mm, die Schallführung erweitert sich aber nur bis zu einem Durchmesser von 83 mm. Das ist bei einem CIARE PT383 oder einer WAVECOR TW030WA12 auch nicht viel anders - aber beim Cmp25_vHP ist die Schallführung mit 45 mm deutlich länger.


Im Gegensatz zu einem "normalen" Kompressionstreiber gibt es beim Cmp25_vHP nur ein geringes Kompressionsverhältnis durch den Phaseplug, der die Membran nur teilweise abdeckt, die demnach in großen Teilen den direkten Weg ins Horn findet - der Phaseplug ist also eher ein großer Diffusor. Wegen des geringen Kompressionsgrades ist der Wirkungsgrad (für einen Horn-Hochtöner) mit 102 dB/2.83V/m eher gering, dafür fällt er zu hohen Frequenzen aber auch nicht so stark ab.
Von hinten sieht man einen 62 mm durchmessenden, schick geformten Kühlkörper, der die NdFeB-Tablette kühlt und so bei hoher Dauerleistung vor einer teilweisen Entmagnetisierung schützt.

 


Die TSP:

 

Membranfläche: Außendurchmesser:
Innendurchmesser:
Plugdurchmesser:
-> Membranfläche Sd:
-
-
-
4.92 cm² (Hersteller)
TSP (Mittelwert und Streuung
von 2 Chassis, Anregung -12 dB):
Resonanzfrequenz Fs
DC-Widerstand Rdc
Mechanische Güte Qms
Elektrische Güte Qes
Gesamtgüte Qts
Effektive bewegte Masse Mms
Kraftfaktor BL
Wirkungsgrad Eta (1m, 2.83V, Halbraum)
2319 Hz (+/-3.7%)
6.86 Ohm (+/-2.2%)
0.725 (+/-1.1%)
4.400 (+/-13.6%)
0.622 (+/-1.0%)
0.21 gr (Hersteller)
3.18 N/A (Hersteller)
100.84 dB (+/-0.32)

Die Streuung der TSPs ist noch gering (bis auf Qes), die Streuung des gemessenen Wirkungsgrades mit +/- 0.32 dB ist aber grenzwertig hoch und die Abweichung zur Herstellerangabe von 102 dB/2.83V/m beträgt über 1 dB.

 

 

 

Im Impedanzverlauf sind im Bereich der Resonanzfrequenz (1.7 bis 3.5 kHz) sowie bei 11 und 18 kHz kleinere Störungen erkennbar, die sich auch im Schalldruck-Frequenzgang wiederfinden.
Die Resonanzfrequenz ändert sich nur um 2.6%, wenn man den Anregungspegel von -18 dB auf +6 dB (und damit die Eingangsleistung um den Faktor 256) erhöht. Bei der höchsten Anregungsstufe erhöht sich der Gleichstromwiderstand um 0.06 Ohm (= 0.9%)

Eine Resonanzfrequenz von 2319 Hz verspricht bei einer Gesamtgüte von 0.622 eine untere Grenzfrequenz F3 von 2678 Hz.

 


Der Frequenzgang:

. . . verläuft auf Achse weitgehend gleichmäßig von 4 bis 16 kHz (Mittelwert 101.06 dB, Standardabweichung +/- 0.97 dB). Betrachtet man den Bereich von 3 bis 20 kHz, dann gibt es eine breitbandige Überhöhung um 9 kHz von 4 dB. Beide Chassis verhalten sich auf Achse bis 14 kHz weitgehend gleich, Chassis 2 ist aber 0.46 dB lauter.

Die Bündelung setzt ab ca. 2.5 kHz ein, der Frequenzgang fällt bis 20 kHz mit zunehmendem Winkel zunehmend ab, wobei dies - relativ zum 0°-Verlauf - recht gleichmäßig und gutmütig erfolgt. Zwischen 7 und 11 kHz gibt es einen Hauch von Constant-Directivity-Verhalten.
Der winkelgewichtete Schalldruck fällt von 2.5 bis 12 kHz ziemlich gleichmäßig mit 1.5 dB/Oktave ab, darüber dann bis 20 kHz mit 8 dB/Oktave.
Der Bündelungsgrad steigt zwischen 2.5 und 7 kHz mit ca. 4 dB/Oktave an, bleibt zwischen 8 und 12 kHz weitgehend konstant und steigt dann weiter mit ca. 4 dB/Oktave. Beide Chassis verhalten sich bis 11 kHz weitgehend gleich.

 

Pseudorauschen > 1000 Hz (0°, 15°, 30°, 45°, 60°; MP3 42 kB)

 

 

 

 

 


Sprungantwort/Pegellinearität

Die Sprungantwort zeigt mehrere kleinere "kurzwellige" Störungen (Membranresonanz bei 18 kHz), die nach 1 ms weitgehend abgeklungen sind.
Im periodenskalierten Zerfallspektrum ist ein verzögertes Ausschwingen nur um 18 kHz erkennbar.

 

Sprungantwort (Chassis 2, 20 cm, 0°)

 

Zerfallspektrum (Chassis 2, 20 cm, 0°)

 

 

Die Pegellinearität:

Bei einem Schalldruck von 90 bis 110 dB (das entspricht einer Anregung mit 0.81 bis 8.1 Volt bzw. 0.096 bis 9.6 Watt) zeigen sich bei Hochpassfilterung mit 2.5 kHz nur ganz sporadisch Nichtlinearitäten > 0.5 dB. Bei Steigerung des Anregungspegels um 5 dB (bis 14.4 Volt bzw. 30.4 Watt) nehmen die Nichtlinearitäten weiter zu, das Chassis kollabiert aber noch nicht. Chassis 1 zeigt höhere Nichtlinearitäten.

 

 

 


Der Klirrfaktor:

Die Klirrkomponente K2 verläuft oberhalb von 3 kHz weitgehend linear (mit einem Minimum um 5 kHz) und steigt moderat mit dem Anregungspegel an. Das Verhalten bei höheren Klirrkomponenten ist bei beiden Chassis unterschiedlich.

Bei einem mittleren Schalldruckpegel von 85 / 90 / 95 / 100 / 105 dB liegt K2 oberhalb von 2.5 kHz im Mittel bei 0.361 / 0.608 / 1.031 / 1.319 / 2.120%. Für K3 gilt in diesem Bereich ein Mittelwert von 0.073 / 0.088 / 0.167 / 0.903 / 1.182%.

Nach unseren Untersuchungen (Klirrfaktor - wie viel ist zu viel?) lägen alle Klirrkomponenten bis 105 dB über 2113 Hz unterhalb der Wahrnehmbarkeitsschwelle. Chassis 1 zeigt höhere Klirrfaktoren K3 bis K8.

 

Klirrfaktor bei 85 bis 105dB/1m (Halbraum, 20cm (48 cm ab 100 dB))

 

 


 

HiFi-Selbstbau-Fazit:

Der KARTESIAN Cmp25_vHP ist ein interessanter, kleiner, lauter und dabei preiswerter Hochtöner. Der Wirkungsgrad von 101 dB/2.83V/m ist für einen "echten" Horn-Hochtöner eher gering, die haben um 3 kHz oft bis zu 110 dB/2.83V/m. Aber bei 16 kHz sind es dann oft schon weniger als 100 dB/2.83V/m - und da kann der Cmp25_vHP dann wieder mithalten.

Der Frequenzgang ist wesentlich linearer als bei "normalen" Hornhochtönern und erinnert mehr an einen Kalottenhochtöner mit Waveguide - z.B. den VISATON G25NDWG, der aber 5 dB leiser ist. Damit vereint der Cmp25_vHP die Vorteile eines Kalottenhochtöners mit Waveguide (weitgehend linearer Frequenzgang) mit dem hohen (mittleren) Wirkungsgrad eines Horn-Hochtöners. Dank seines wenig schwankenden Impedanzverlaufs ist der Cmp25_vHP relativ einfach passiv zu beschalten.

Wegen der im Vergleich zu einem Waveguide längeren Schallführung beginnt die Bündelung früher, fällt aber auch etwas stärker aus, allerdings weniger stark als bei einem "richtigen" Horn-Hochtöner.

Beim periodenskalierten Zerfallspektrum schwingt nur die Membranresnoanz um 18 kHz länger aus, ansonsten verhält sich der Cmp25_vHP perfekt.

Bei Hochpass-Filterung mit 12 dB/Oktave bei 2.5 kHz treten nur ganz sporadisch Nichtlinearitäten > 0.5 dB auf.

Die Klirrfaktormessung legt für lautes HiFi einen Einsatz ab 2.5 kHz nahe.

Einziger Wermutstropfen ist das unterschiedliche Verhalten beider Chassis beim Linearitätscheck und beim Klirrfaktor (Chassis 1 ist dort jeweils schlechter), außerdem ist Chassis 1 im Mittel 0.46 dB leiser als Chassis 2. Dabei muss man allerdings bedenken, dass es sich beim KARTESIAN Cmp25_vHP um ein relativ preiswertes Chassis handelt, bei TLHP kostet es gerade mal 57 €/Stück - ein "richtiger" Hornhochtöner (Treiber + Horn) ist kaum unter 100 € zu bekommen . . .

Für lautes HiFi ist der KARTESIAN Cmp25_vHP eine Bereicherung des Angebots mit seinen Eigenschaften, die zwischen einem Kalottenhochtöner mit Waveguide und einem "richtigen" Horn-Hochtöner liegen.

 

Kompletter Datensatz von 2 Chassis (Impedanz, Schalldruck, Bündelungsgrad und Schallleistung im OCT-Format, Klirrfaktor und komplexer Frequenzgang als TXT-Datei, ZIP, 64 kB)

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