PEERLESS 32mm Keramikkalotte mit Spezial-Waveguide
Unser Abonnent LIFU hat ja durch seine Firma umfangreiche Möglichkeiten der Metallverarbeitung. Seit einiger Zeit beschäftigt er sich auch mit Waveguides, wobei er diese nur überschlägig berechnet und dann mehrere Prototypen baut bis das Rundstrahlverhalten gleichmäßig ist. Kritisch ist seiner Erfahrung nach vor allem der Übergang Waveguide/Sicke. Insbesondere bei Hartmembranen wird auch ein speziell angepasster Diffusor benötigt, der mittels Stereolithografie-3D-Druck hergestellt wird. Die Prototypen der Waveguides sind zunächst aus Kunststoff aus dem 3D-Drucker, erst zum Schluss wird aus dem vollen Alublock gefräst/gedreht.
Als Basis hat LIFU den hochinteressanten PEERELSS DA32TX00-08 verwendet, den es bei SoundImports als abgeglichenes Paar für 200 €/Paar gibt. Dafür bekommt man eine immerhin 32 mm bzw. 1.25" durchmessende Keramik- bzw. Korund-Kalotte mit angekoppeltem Volumen, 100 mm durchmessendem Ferritmagnet und Schutzgitter. VISATON verlangt für seine 25 mm durchmessende Keramikkalotte KE 25 SC etwa 350 €/Paar, ACCUTON für seine C30-6-358 immerhin über 1000 €/Paar.
Unser Datenblatt klärt, wie gut sich der PEERLESS DA32TX00-08 im LIFU-WG im Vergleich zur Konkurrenz schlägt . . .
| Chassis-Datenblatt © www.hifi-selbstbau.de So werden Lautsprecherchassis von HiFi-Selbstbau gemessen |
![]() |
|
| Hersteller: PEERLESS | Typ: DA32TX, 8 Ohm | Datenblatt des Herstellers |
Foto des Chassis
![]() |
![]() |
Der äußere Eindruck:
Von vorne sieht der PEERLESS DA32TX00-08 wie ein VISATON KE 25 SC aus - nur größer. Die Frontplatte hat immerhin einen Durchmesser von 132 mm und ist damit 26% größer als die 104.5 mm durchmessende Frontplatte des KE 25 SC. Das passt dann ja zur Membran, die beim DA32TX00-08 auch 25% größer ist als beim KE 25 SC. Die 32 mm durchmessende Korund-Kalotte ist durch ein abnehmbares Gitter geschützt.
Von hinten fällt der aufgesetzte Kühlkörper auf, der zwar schick und wichtig aussieht - aber wen oder was soll der dort kühlen? Immerhin stabilisiert er mechanisch den rückwärtigen Auswuchs, der auch die Anschlüsse beinhaltet, die als 4 mm Bananenbuchsen ausgeführt und vorbildlich beschriftet sind - so kann man beim Anlöten der Zuleitungen wenigstens nichts unbeabsichtigt entlöten . . .
Der Luftspalt ist 4.5 mm hoch, der lineare Hub wird mit 1 mm angegeben. daraus kann man ableiten, dass die Schwingspule 2.5 mm hoch gewickelt ist, es handelt sich also um ein Unterhang-System. Die bewegte Masse ist mit 0.5 Gramm recht hoch, eine SEAS T35C002 ist - trotz 35 mm Schwingspulendurchmesser - mit 0.47 Gramm etwas leichter, eine BlieSMa T34A-4 wiegt sogar nur 0.28 Gramm - bei 34 mm Schwingspulendurchmesser.
Ganz nebenbei bemert ist, das Waveguide von Lifu auch ein feinmechanisches Meisterwerk.



TSP
| Membranfläche: | Außendurchmesser: Innendurchmesser: Plugdurchmesser: -> Membranfläche Sd: |
46 mm 32 mm 0 mm 11.9 cm² |
| TSPs (Mittelwert und Streuung von 2 Chassis, Anregung -12 dB): |
Resonanzfrequenz Fs DC-Widerstand Rdc Mechanische Güte Qms Elektrische Güte Qes Gesamtgüte Qts Wirkungsgrad Eta (1m, 2.83V, Halbraum) |
599.0 Hz (+/-1.6%) 6.52 Ohm (+/-0.2%) 2.021 (+/-5.6%) 0.748 (+/-2.0%) 0.546 (+/-3.0%) 92.66 dB (+/-0.26) |
Die TSP:



Die Chassis wurden vorher nicht eingerauscht, da sie bereits bei LIFU gemessen wurden.
Die Streuung der TSPs ist gering und der Mittelwert entspricht weitgehend den Herstellerangaben (Fs = 573 Hz, Qms/Qes/Qts = 2.43/0.72/0.56). Auch die Impedanzverläufe beider Chassis sind weitgehend identisch. Die Impedanzverläufe lassen sich durch das Standard-Impedanzmodell (geschlossenes Gehäuse) nicht perfekt annähern: es gibt eine Impedanzüberhöhung um 2.35 kHz und der Bereich 700 Hz bis 2 kHz wird nicht gut getroffen. Hier passieren also "Fehler" (stehende Wellen, Gehäuseresonanzen etc.), die vom Standard-Impedanzmodell nicht berücksichtigt werden.
Bei der pegelabhängigen Impedanz erhöht sich der Gleichstromwiderstand bei Änderung des Anregungspegels von -18 auf +6 dB um 0.1 Ohm, das sind nur 1.5%.
Der Frequenzgang:
. . . verläuft auf Achse von 1 bis 10 kHz weitgehend linear (Mittelwert 92.66 dB, Standardabweichung +/- 1.64 dB). Die relativ hohe Standardabweichung erklärt sich durch die Schalldruck verstärkende Wirkung des Waveguides < 5 kHz sowie Störungen im Frequenzgang um 2 kHz (Einbruch) und 2.6 kHz (Überhöhung) - diese dürften dieselbe Ursache haben wie die Impedanzstörung um 2.35 kHz. Von 10 bis 20 kHz fällt der Frequenzgang auf Achse um ca. 6 dB ab.
Bei 25 kHz zeigt sich eine Überhöhung um 15 dB (Membranresonanz).
Die Bündelung setzt ab ca. 2 kHz deutlich ein und wird bis 17 kHz mit zunehmendem Winkel zunehmend größer. Unter 15° beträgt der Abfall bis 18 kHz nur 1.5 dB, bei 30° sind es schon 4 dB. Bis 30° zeigt die Kombination zwischen 3 und 17 kHz nahezu Constant-Directivity-Verhalten, bei höheren Winkeln sind die Pegelabfälle bezogen auf Achse eher linear fallende Geraden statt Parallelen.
Der winkelgewichtete Schalldruck fällt zwischen 1 und 4 kHz mit ca. 1.5 dB/Oktave ab, darüber sind es ca. 5 dB/Oktave.
Die Streuung der beiden Chassis ist im gesamten Frequenzbereich sehr gering - so muss das!

Pseudorauschen > 1000 Hz (0°. 15°. 30°. 45°. 60°; MP3 42 kB)







Sprungantwort/Pegellinearität
Bei der Sprungantwort ist ein Ausschwingen mit der Membranresonanz von 25 kHz erkennbar.
In den Zerfallspektren sind keine Störungen erkennbar - außer bei der Membranresonanz, die lange ausschwingt (über 30 Perioden à 0.04 ms = 1.2 ms).
Sprungantwort (Chassis 1, 20 cm, 0°)

Zerfallspektrum (Chassis 1, 20 cm, 0°)


Die Pegellinearität:
Bei einer Anregung von 84 bis 104 dB (das entspricht einer Eingangsleistung von 0.16 bis 16 Watt an 6.52 Ohm) sind bei Hochpass-Filterung (1 kHz, 12 dB/Oktave) nur ganz sporadisch Linearitätsfehler > 0.5 dB erkennbar - vor allem im Bereich der Impedanzstörstelle um 2.35 kHz.
Erhöht man die Anregungsspannung um den Faktor 2 bzw. die Anregungsleistung um den Faktor 4 (0.64 bis 64 !!! Watt) sind erst bei der letzten Pegelstufe Linearitätsfehler von 1 dB erkennbar. Dies ist besonders bemerkenswert, weil das Chassis bis 1 kHz arbeiten musste. Beide Chassis verhalten sich weitgehend gleich.


Der Klirrfaktor:
Die Klirrkomponente K2 verläuft oberhalb von 1 kHz weitgehend linear und steigt moderat mit dem Anregungspegel. Der unharmonische K3 verläuft oberhalb von 1.5 kHz weitgehend linear und steigt moderat mit dem Anregungspegel. Die höheren Klirrkomponenten K4 bis K8 liegen > 1 kHz fast durchgehend unter 0.1%.
Bei einem mittleren Schalldruckpegel von 80 / 85 / 90 / 95 / 100 / 105 dB liegt K2 oberhalb von 1500 Hz im Mittel bei geringen 0.131 / 0.231 / 0.406 / 0.709 / 0.577 / 0.910%. Für K3 gilt in diesem Bereich ein Mittelwert von geringen 0.030 / 0.037 / 0.054 / 0.106 / 0.124 / 0.172%. Auch bei 105 dB mittlerem Schalldruckpegel (das entspricht einem Anregungspegel von 11.7 Volt an 6.52 Ohm = 21.0 Watt) kollabiert das Chassis noch nicht. Beide Chassis verhalten sich weitgehend gleich.
Nach unseren Untersuchungen (Klirrfaktor - wie viel ist zu viel?) wären K2 bis K7 im untersuchten Pegel- und Frequenzbereich oberhalb von 1334 Hz unhörbar.
Klirrfaktor bei 80 bis 105dB/1m (Halbraum, 20cm (48cm ab 100 dB))

Vergleich mit der Konkurrenz:
Hier eine Liste der von uns gemessenen Hochtöner mit "größerem" Waveguide:
| Bezeichnung | Preis [€] | Membran-⌀ [mm] | Außen-⌀ [mm] | Höhe WG [mm] | Bündelung* ab [Hz] |
| SEAS T35C002 + JANTZEN-Waveguide | 370 + 90 | 35 | 165 | 27.5 | 1250 |
| AUDAX TW34034XP-D + JANTZEN-Waveguide | 100 + 90 | 34 | 165 | 27.5 | 1250 |
| VISATON G25FFL + VISATON WG148R | 80 + 20 | 25 | 148 | 23.5 | 1400 |
| MONACOR DT-300 + MONACOR WG | 40 + 20 | 30 | 169 | 32 | 1350 |
| CIARE PT383 | 60 + 0 | 38 | 130 | 16 | 2200 |
| WAVECOR TW030WA12 | 130 | 30 | 115 | 22.5 | 2150 |
| PEERLESS DA32TX00-08 mit LIFU-WG | 100 + 100 | 32 | 135 | 22.5 | 1450 |
* bei welcher Frequenz wird unter 60° ein relativer Abfall von 2 dB erreicht
Frequenzgang auf Achse (Messabstand 48 cm):


- der DA32TX + LIFU-WG ist eher ein leiserer Vertreter, fast alle Vergleichs-Kombinationen sind auf Achse oberhalb von 1.3 kHz lauter
- einige Vergleichs-Kombinationen (G25FFL + WG148R, DT-300 + WG, PT383) fallen schon unterhalb von 1.4 kHz ab
Frequenzgang relativ zu 0° (Messabstand 48 cm):


- wenn man die relativen Frequenzgänge der Vergleichs-Kombinationen betrachtet fällt auf, wie gleichmäßig der Pegelabfall zu höheren Winkeln hin beim DA32TX + LIFU-WG erfolgt - Respekt!
- das Waveguide des CIARE PT383 und des WAVECOR TW030WA12 wirken wegen des geringeren Durchmessers erst bei höheren Frequenzen
Winkelgewichteter Schalldruck (Messabstand 48 cm):


- der winkelgewichtete Schalldruck des DA32TX + LIFU-WG ist um 2.6 kHz wellig, erreicht aber bei 1 kHz die höchsten Werte hinter den Kombinationen mit dem JANTZEN-Waveguide
Bündelungsgrad (Messabstand 48 cm):


- der Bündelungsgrad des DA32TX + LIFU-WG steigt > 1 kHz schön gleichmäßig - davon können sich die Vergleichs-Kombinationen eine Scheibe abschneiden . . .
HiFi-Selbstbau-Fazit:
Die Kombination aus PEERLESS DA32TX00-08 und dem Waveguide unseres Abonnenten LIFU zeigt eine vorbildlich gleichmäßige Richtwirkung. Der Frequenzgang ist mit seiner Überhöhung um 2.6 kHz nicht perfekt, das geht aber auf die Kappe vom PEERLESS, dessen interne Bedämpfung und/oder Schallführung nicht ideal ist. Damit ist die Kombination eher nichts für Liebhaber von passiven Frequenzweichen mit wenigen Bauteilen - denn dann müsste man mit den Welligkeiten zwischen 2 und 3.5 kHz leben.
Der Linearitätscheck erlaubt der Kombination bis 110 dB schon einen Einsatz ab 1 kHz (Hochpass 12 dB/Oktave) - hier kann die relativ große Kalotte ihre Stärken ausspielen. Der Klirrfaktor ist laut unseren Untersuchungen ab 1334 Hz bei allen untersuchten Pegeln unhörbar.
Damit empfiehlt sich die Kombination aus PEERLESS DA32TX und LIFU-Waveguide vor allem für 2-Wege-Systeme mit niedriger Trennfrequenz - z.B. mit einem 8"-Tieftöner. LIFU veranschlagt für das Waveguide einen Preis von 100 €/Stück - damit ist die Kombination mit dem DA32TX ähnlich fair bepreist wie die Kombination aus AUDAX TW034XP-D und JANTZEN-Waveguide, bei besserem Rundstrahlverhalten und geringerem Waveguide-Durchmesser (letzteres ist bei der Kombination mit einem 8"-Tieftöner ja nicht ganz unwichtig).
LIFU hat gezeigt, dass ihm bei der Auslegung des Waveguides die Quadratur des Kreises gelungen ist: seine Kombination zeigt das gleichmäßigste Rundstrahlverhalten und bündelt (trotz "nur" 135 mm Außendurchmesser) auch schon ab 1.5 kHz. Well done!
Anfragen für das Waveguide können an lifu @ hifi-selbstbau. de gestellt werden. Der Preis liegt bei 100€/Stk. inkl. Befestigungsmateriel.



Kommentare
Ist der Kühlstern nicht, wie bei Neodym üblich, die Kühlung für die Neodymtablette?
Aber eigentlich wie erwartet - du bewegst dich weit über dem Niveau vieler Hersteller